Ausführlich
Die Achillessehne des Hundes ist ein komplexes anatomisches Gebilde, das aus mehreren Sehnensträngen besteht: der Sehne des M. gastrocnemius, der oberflächlichen Beugesehne (M. flexor digitalis superficialis) und der gemeinsamen Sehne der Gracilis-, Biceps-femoris- und Semitendinosus-Muskeln. Diese verschmelzen zum Tendo calcaneus communis, der am Fersenhöcker ansetzt. Die Sehne ist essentiell für die Streckung des Sprunggelenks und die Kraftübertragung beim Laufen und Springen.
Ein Achillessehnenriss beim Hund entsteht meist durch traumatische Ereignisse wie plötzliche Überstreckungen des Sprunggelenks, Sprünge aus großer Höhe, Kollisionen oder das Verfangen der Gliedmaße. Seltener sind degenerative Veränderungen durch chronische Überlastung, Steroidbehandlung oder metabolische Erkrankungen die Ursache. Große, aktive Hunderassen sind häufiger betroffen, insbesondere Arbeitshunde und Sporthunde. Die Ruptur kann komplett oder partiell sein und eine oder mehrere Sehnenstränge betreffen.
Diagnostik und klinische Anzeichen
Ein Achillessehnenriss zeigt sich durch charakteristische Symptome: Der Hund kann die betroffene Hintergliedmaße nicht mehr physiologisch belasten, das Sprunggelenk sinkt bodenwärts durch (Plantarflexion), und der Fersenhöcker berührt fast den Boden. Die Zehenspitzen werden oft nach oben gebogen (Hyperextension der Zehen). Bei Palpation kann eine Lücke im Sehnenverlauf tastbar sein, und Schwellung sowie Schmerzhaftigkeit sind typisch. Die Diagnose erfolgt durch klinische Untersuchung, Ultraschall und gegebenenfalls Röntgenaufnahmen zum Ausschluss knöcherner Verletzungen.
Behandlungsoptionen
Die Therapie eines Achillessehnenrisses beim Hund ist abhängig vom Schweregrad der Verletzung. Partielle Risse können konservativ mit strikter Ruhigstellung und orthopädischen Hilfsmitteln behandelt werden. Komplette Rupturen erfordern in der Regel eine chirurgische Versorgung, bei der die Sehnenenden genäht oder rekonstruiert werden. Postoperativ ist eine mehrwöchige Immobilisation mittels Gipsverband oder Orthese notwendig, gefolgt von kontrollierter Physiotherapie zur Wiederherstellung der Funktion.
Orthopädische Versorgung und Prognose
Orthesen spielen eine zentrale Rolle sowohl in der konservativen Behandlung als auch in der postoperativen Nachsorge. Eine speziell angepasste Sprunggelenksorthese stabilisiert das Gelenk in funktioneller Stellung, verhindert übermäßige Plantarflexion und ermöglicht kontrollierte Belastung während der Heilungsphase. Die Prognose ist bei adäquater Behandlung gut, wobei die vollständige Wiederherstellung der Funktion mehrere Monate dauern kann. Ohne Behandlung droht eine dauerhafte Lahmheit mit sekundären Gelenkschäden.
Mögliche Symptome
Akute Lahmheit der Hintergliedmaße
Durchtreten des Sprunggelenks (Plantarflexion)
Fersenhöcker berührt fast den Boden
Hyperextension der Zehen
Schmerzhafte Schwellung im Bereich der Achillessehne
Tastbare Lücke im Sehnenverlauf
Unmöglichkeit, auf Zehenspitzen zu stehen
Belastungsunfähigkeit oder hochgradige Belastungsunwilligkeit
Orthopädische Indikationen
Postoperative Stabilisierung nach Achillessehnennaht
Konservative Behandlung bei partiellen Rupturen
Immobilisation des Sprunggelenks während der Heilungsphase
Verhindert Plantarflexion und schützt die heilende Sehne
Kontrollierte Rückkehr zur Belastung nach Ruhigstellung
Langzeitschutz bei chronischer Instabilität
Alternative zu Gipsverbänden für bessere Pflege und Kontrolle
Häufige Fragen
Die Heilung eines Achillessehnenrisses dauert beim Hund in der Regel 8-12 Wochen bei konservativer Behandlung und 12-16 Wochen nach chirurgischer Versorgung. Die vollständige funktionelle Wiederherstellung mit Rückkehr zu normaler Aktivität kann 4-6 Monate in Anspruch nehmen. Eine konsequente Ruhigstellung und physiotherapeutische Nachbehandlung sind entscheidend für den Heilungserfolg.
Partielle Achillessehnenrisse können unter bestimmten Umständen konservativ behandelt werden, erfordern aber strikte Immobilisation mittels Orthese oder Gipsverband für 6-8 Wochen. Komplette Rupturen haben ohne chirurgische Versorgung eine schlechte Prognose und führen meist zu dauerhafter Funktionseinschränkung. Die Entscheidung über die Behandlungsmethode sollte immer durch einen Tierarzt nach gründlicher Diagnostik getroffen werden.
Eine individuell angepasste Sprunggelenksorthese bietet mehrere Vorteile: Sie ist abnehmbar für Wundkontrollen und Hautpflege, ermöglicht eine bessere Hygiene, ist leichter und komfortabler für den Hund, und erlaubt eine stufenweise Anpassung der Stabilisierung während des Heilungsverlaufs. Zudem verhindert sie Muskelatrophie besser als ein starrer Gipsverband und ermöglicht frühzeitigere physiotherapeutische Maßnahmen.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.