Ausführlich
Die Beugesehnenkontraktur ist eine orthopädische Erkrankung, bei der die tiefe oder oberflächliche Beugesehne sowie der Musculus interosseus medius verkürzt sind. Beim Schaf betrifft sie meist die Vordergliedmaßen und zeigt sich in einer typischen Überköterung (Knickfessel) oder einem dauerhaften Stehen auf der Klauenspitze. In schweren Fällen läuft das Lamm auf der Vorderseite der Fessel.
Angeborene Form bei Lämmern
Die kongenitale Beugesehnenkontraktur ist beim Lamm relativ häufig und entsteht durch Fehllagen im Uterus, Mineralstoffmangel der Mutterschafe (insbesondere Mangan, Selen) oder durch genetische Faktoren. Auch intrauterine Virusinfektionen wie das Schmallenberg- oder Akabane-Virus können zu Gelenkfehlstellungen mit Kontrakturen führen.
Erworbene Form
Bei adulten Schafen entstehen Beugesehnenkontrakturen häufig sekundär durch chronische Lahmheiten, z.B. infolge von Moderhinke, Klauenabszessen oder Verletzungen. Das Schaf entlastet die schmerzhafte Gliedmaße über längere Zeit in gebeugter Haltung, wodurch sich die Sehnen verkürzen. Auch lange Boxenruhe nach Operationen kann eine Kontraktur begünstigen.
Orthopädische Relevanz
Fehlbelastung der Klauen mit erhöhtem Risiko für Sohlengeschwüre
Sekundäre Arthrose der Fessel- und Klauengelenke
Druckstellen und Hautläsionen an Fessel oder Karpus
Eingeschränkte Weidetauglichkeit und Mobilität
Orthopädische Hilfsmittel wie individuell angepasste Schienen, Korrekturorthesen oder Stützbandagen können bei Lämmern die Streckstellung unterstützen und beim erwachsenen Schaf die Belastungsachse verbessern. Eine frühzeitige Diagnose durch den Tierarzt ist entscheidend, da insbesondere bei Lämmern in den ersten Lebenswochen sehr gute Korrekturchancen bestehen.
Mögliche Symptome
Überköterung der Fessel (Knickfessel)
Stehen auf der Klauenspitze
Eingeschränkte Streckung des Karpal- oder Fesselgelenks
Lahmheit oder steifer Gang
Schwierigkeiten beim Aufstehen
Druckstellen an Fessel oder Karpus
Asymmetrische Klauenabnutzung
Orthopädische Indikationen
Stützorthese zur passiven Streckung bei Lämmern mit kongenitaler Kontraktur
Korrekturschiene zur schrittweisen Dehnung verkürzter Beugesehnen
Fesselbandage zur Stabilisierung bei Knickfessel
Entlastungsorthese nach operativer Sehnentenotomie
Schutzbandage bei Druckstellen an Fessel oder Karpus
Häufige Fragen
Leichte angeborene Formen bessern sich bei Lämmern in den ersten Lebenstagen oft spontan durch Bewegung und Belastung. Mittelschwere und schwere Kontrakturen benötigen jedoch eine tierärztliche Behandlung, oft kombiniert mit Schienen oder Orthesen. Eine frühzeitige Abklärung ist wichtig, da sich die Korrekturchancen mit zunehmendem Alter verschlechtern.
Eine individuell angepasste Orthese stabilisiert das betroffene Gelenk in einer physiologischeren Stellung und übt einen sanften Dehnungsreiz auf die verkürzten Sehnen aus. Bei Lämmern unterstützt sie die normale Entwicklung der Gliedmaße, bei adulten Schafen kann sie Fehlbelastungen reduzieren und Folgeschäden an Klauen und Gelenken vorbeugen. Die Versorgung sollte immer in Abstimmung mit dem Tierarzt erfolgen.
Bei Mutterschafen ist eine bedarfsgerechte Mineralstoff- und Spurenelementversorgung in der Trächtigkeit wichtig, insbesondere mit Mangan und Selen. Bei lahmen Schafen sollten die zugrundeliegenden Ursachen (z.B. Moderhinke, Klauenerkrankungen) schnell behandelt werden, um sekundäre Kontrakturen durch Schonhaltung zu vermeiden. Regelmäßige Klauenpflege ist ebenfalls Teil der Prophylaxe.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.