TrittwerkTierorthopädie

Bizepssehnenruptur beim Hund

Eine Bizepssehnenruptur bezeichnet den vollständigen oder teilweisen Riss der Sehne des Musculus biceps brachii am Schultergelenk des Hundes. Diese Verletzung betrifft meist die lange Bizepssehne (Caput longum), die durch den Sulcus intertubercularis des Humerus verläuft, und führt zu deutlichen Lahmheiten sowie Funktionseinschränkungen der Vordergliedmaße.

Ausführlich

Die Bizepssehnenruptur ist eine ernsthafte Verletzung des Schulterbereichs beim Hund, bei der die Sehne des zweiköpfigen Oberarmmuskels (Musculus biceps brachii) teilweise oder vollständig reißt. Am häufigsten betroffen ist die lange Bizepssehne, die ihren Ursprung am Tuberculum supraglenoidale der Scapula hat und durch eine knöcherne Rinne am proximalen Humerus (Sulcus intertubercularis) verläuft, bevor sie am Radius und der Ulna ansetzt.

Ursachen und Entstehung Die Ruptur entsteht typischerweise durch chronische degenerative Veränderungen wie Tendinitis (Sehnenentzündung) oder Tenosynovitis (Entzündung der Sehnenscheide), die über längere Zeit die Sehnenstruktur schwächen. Akute Rupturen können durch plötzliche Überlastung bei Sprüngen, schnellen Richtungswechseln oder Traumata auftreten. Besonders gefährdet sind sportlich aktive Hunde, Arbeitshunde sowie ältere Tiere mit vorbestehenden degenerativen Gelenkerkrankungen. Große und mittelgroße Rassen sind häufiger betroffen als kleine Hunde.

Anatomische und funktionelle Auswirkungen Der Musculus biceps brachii ist ein wichtiger Beuger des Ellbogengelenks und Strecker des Schultergelenks. Bei einer Ruptur verliert die Muskulatur ihre normale Funktion, was zu einer deutlichen Einschränkung der Beweglichkeit führt. Die betroffene Gliedmaße kann nicht mehr vollständig belastet werden, und der Hund zeigt charakteristische Schonhaltungen. Häufig ist eine Schwellung im Schulterbereich sichtbar, und die Palpation löst Schmerzreaktionen aus.

Diagnostik und Behandlung Die Diagnose erfolgt durch klinische Untersuchung, Palpation und bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder MRT. Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Ruptur: Partielle Risse können konservativ mit Ruhigstellung, Physiotherapie und medikamentöser Schmerztherapie behandelt werden. Bei kompletten Rupturen ist meist eine chirurgische Intervention notwendig, bei der die Sehne refixiert oder in schweren Fällen eine Tenodese durchgeführt wird.

Orthopädische Unterstützung Nach der Akutbehandlung spielt die orthopädische Versorgung eine wichtige Rolle in der Rehabilitation. Spezielle Schulterorthesen können die betroffene Region stabilisieren, Bewegungen kontrolliert einschränken und die Heilung unterstützen. Sie reduzieren die Belastung auf die geschädigte Sehne während der Regenerationsphase und ermöglichen eine schonende Rückkehr zur normalen Aktivität. Die Nachbehandlung sollte immer tierärztlich begleitet werden und umfasst in der Regel auch physiotherapeutische Maßnahmen zur Wiederherstellung der Muskelfunktion und Beweglichkeit.

Mögliche Symptome

Akute oder chronische Lahmheit der Vordergliedmaße

Schmerzreaktion bei Palpation der Schulter

Schwellung im Schulterbereich

Schonhaltung und reduzierte Belastung des betroffenen Beins

Eingeschränkte Beweglichkeit des Schultergelenks

Vermeidung von Sprüngen und Treppensteigen

Muskelatrophie bei chronischem Verlauf

Abduktion der Gliedmaße beim Gehen

Orthopädische Indikationen

Schulterorthese zur Stabilisierung nach Bizepssehnenruptur

Postoperative Versorgung nach Sehnenrefixation

Konservative Behandlung bei partieller Ruptur

Unterstützung während der Rehabilitationsphase

Bewegungslimitierung zur Schonung der heilenden Sehne

Stabilisierung bei chronischer Bizepssehnenentzündung

Schmerzreduktion durch Entlastung der Schulterregion

Häufige Fragen

Die Prognose hängt vom Schweregrad der Ruptur und der Behandlung ab. Bei frühzeitiger Diagnose und adäquater Therapie: ob konservativ oder chirurgisch: können viele Hunde wieder eine gute bis sehr gute Funktionalität erreichen. Die Rehabilitation mit Physiotherapie und orthopädischer Unterstützung ist entscheidend. Vollständige Genesung ist möglich, erfordert aber Geduld und konsequente Nachbehandlung über mehrere Monate.

Die Heilungsdauer variiert je nach Schweregrad zwischen 8 und 16 Wochen. Bei konservativer Behandlung partieller Rupturen rechnet man mit 8-12 Wochen, bei operativen Eingriffen können 12-16 Wochen bis zur vollständigen Rehabilitation notwendig sein. In dieser Zeit ist strikte Ruhigstellung in den ersten Wochen wichtig, gefolgt von kontrolliertem Bewegungsaufbau unter tierärztlicher und physiotherapeutischer Begleitung.

Besonders betroffen sind mittelgroße bis große, aktive Hunderassen wie Labrador Retriever, Golden Retriever, Deutsche Schäferhunde, Rottweiler und Border Collies. Auch sportlich geführte Hunde wie Agility- oder Diensthunde haben ein erhöhtes Risiko. Das liegt an der höheren mechanischen Belastung der Schulterregion durch Körpergewicht und Aktivität. Ältere Hunde aller Rassen können durch degenerative Prozesse ebenfalls betroffen sein.

Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.

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