Ausführlich
Das Eiereisen (englisch: egg bar shoe ) gehört zu den orthopädischen Hufbeschlägen beim Pferd. Im Gegensatz zum klassischen offenen Hufeisen sind die hinteren Schenkel des Eisens zu einem geschlossenen Oval verbunden, sodass die Form an ein Ei erinnert. Durch diese geschlossene Konstruktion wird die Auflage- und Unterstützungsfläche im hinteren Hufbereich deutlich vergrößert.
Anatomischer Hintergrund
Der Pferdehuf trägt das gesamte Körpergewicht und federt über den Hufmechanismus Stöße ab. Besonders die Trachten, der Strahl und der Ballen sind hoch belastete Strukturen, die mit tieferliegenden Sehnen, Bändern und dem Hufrollenkomplex (Strahlbein, tiefe Beugesehne, Hufrollenschleimbeutel) zusammenwirken. Bei Schwäche, Schmerz oder Fehlstellung dieser Region kann die natürliche Belastungsverteilung gestört sein.
Wirkungsweise
Das Eiereisen unterstützt den hinteren Hufabschnitt aktiv, indem es:
die Auflagefläche nach kaudal (hinten) verlängert,
das Einsinken der Trachten in weichen Böden verhindert,
die tiefe Beugesehne entlastet,
das Abrollverhalten harmonisiert und das Bein in der Stützphase stabilisiert.
Orthopädische Relevanz
Eingesetzt wird das Eiereisen häufig bei Pferden mit Hufrollenerkrankung (Podotrochlose), untergeschobenen oder zwangsförmigen Trachten, chronischen Sehnenproblemen der tiefen Beugesehne sowie bei bestimmten Formen der Hufrehe oder nach Verletzungen im Ballenbereich. Die Anpassung erfolgt individuell durch einen erfahrenen Huforthopäden oder Hufschmied: idealerweise in enger Abstimmung mit dem behandelnden Tierarzt.
Grenzen und Hinweise
Ein Eiereisen ist kein Universalbeschlag. Auf tiefen oder matschigen Böden kann es zum Hängenbleiben oder vermehrtem Bodensog kommen. Auch erhöht es das Risiko, dass das Pferd sich das Eisen abtritt. Die Indikation muss daher fachlich klar gestellt sein.
Mögliche Symptome
Lahmheit, besonders auf hartem Boden oder im Bogen
verkürzter Vorgriff
Trachtenzwang oder untergeschobene Trachten
Empfindlichkeit im Ballen- und Strahlbereich
wiederkehrende Sehnenprobleme der tiefen Beugesehne
ungleichmäßiges Abrollen des Hufes
Orthopädische Indikationen
Hufrollenerkrankung (Podotrochlose)
Trachtenzwang und untergeschobene Trachten
Erkrankungen der tiefen Beugesehne
chronische Ballenprobleme
bestimmte Formen der Hufrehe
Stabilisierung nach Hufverletzungen im hinteren Bereich
weiche Hufstrukturen mit Bedarf an vergrößerter Auflagefläche
Häufige Fragen
Ein Eiereisen kommt bei orthopädischen Problemen im hinteren Hufbereich in Frage, etwa bei Hufrollenerkrankung, Trachtenzwang oder Sehnenleiden. Ob es im Einzelfall passt, sollte immer gemeinsam von Tierarzt und Hufschmied entschieden werden.
Das Eiereisen wird in der Regel als therapeutischer Beschlag für eine begrenzte Zeit eingesetzt und in den üblichen Beschlagsintervallen von etwa 6 bis 8 Wochen erneuert. Die Dauer richtet sich nach Befund und Heilungsverlauf.
Auf festen, ebenen Böden ist Bewegung meist problemlos möglich. Auf tiefen, matschigen Weiden oder in unebenem Gelände steigt jedoch das Risiko, dass das Pferd sich das Eisen abtritt: hier ist Vorsicht geboten.
Da es sich um einen orthopädischen Spezialbeschlag mit höherem Material- und Anpassungsaufwand handelt, ist er in der Regel teurer als ein Standardbeschlag. Die genauen Kosten variieren je nach Schmied und individuellem Aufwand.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.