Ausführlich
Der Begriff Ellbogendysplasie fasst mehrere Erkrankungen zusammen, bei denen sich das Ellbogengelenk im Wachstum nicht korrekt ausbildet. Beim Hund ist die ED gut erforscht, bei der Katze ist sie weniger verbreitet, aber durchaus klinisch relevant: insbesondere bei mittelgroßen bis großen Rassen wie Maine Coon, Norwegischer Waldkatze oder Britisch Kurzhaar.
Anatomischer Hintergrund
Das Ellbogengelenk der Katze wird aus Oberarmknochen (Humerus), Speiche (Radius) und Elle (Ulna) gebildet. Damit das Gelenk reibungslos funktioniert, müssen die Gelenkflächen exakt zueinander passen (Kongruenz) und der Knorpel sich gleichmäßig entwickeln. Schon kleine Wachstumsstörungen führen zu Inkongruenzen, ungleicher Belastung und in der Folge zu Knorpelschäden.
Formen der Ellbogendysplasie bei der Katze
Inkongruenz des Ellbogengelenks. Fehlpassung zwischen Radius, Ulna und Humerus
Osteochondrosis dissecans (OCD). Knorpel-Knochen-Ablösung, bei der Katze selten beschrieben
Fragmentierter Processus coronoideus medialis (FCP). Abriss eines Knochenfortsatzes der Ulna, in der Katzenliteratur dokumentiert
Isolierter Processus anconaeus (IPA): bei Katzen sehr selten
Ursachen und Auswirkungen
Diskutiert werden genetische Veranlagung, Wachstumsstörungen und Trauma. Im Verlauf entwickelt sich fast immer eine sekundäre Arthrose (Osteoarthrose) des Ellbogengelenks. Da Katzen Schmerzen sehr gut verbergen, fällt die Erkrankung oft erst spät auf: häufig durch verändertes Sprung- und Putzverhalten, nicht durch klassische Lahmheit.
Orthopädische Relevanz
Konservative Maßnahmen umfassen Gewichtsmanagement, Physiotherapie, Schmerzmedikation und gegebenenfalls orthopädische Hilfsmittel. Maßgefertigte Ellbogenbandagen oder -orthesen können das Gelenk stabilisieren, die Belastung verteilen und die Beweglichkeit unterstützen. Die Indikation stellt immer der Tierarzt oder Tierorthopäde. Trittwerk fertigt entsprechende Hilfsmittel individuell für die Katze an.
Mögliche Symptome
Steifer oder verkürzter Gang an den Vordergliedmaßen
Vermindertes Springen auf erhöhte Plätze
Lahmheit, oft nach Ruhephasen schlimmer
Abgewinkelte oder nach außen gedrehte Vordergliedmaßen
Reduzierte Aktivität und vermehrtes Ruhen
Empfindlichkeit beim Abtasten des Ellbogens
Vernachlässigung der Fellpflege im vorderen Körperbereich
Orthopädische Indikationen
Stabilisierung des Ellbogengelenks bei Inkongruenz
Unterstützung bei sekundärer Arthrose nach ED
Entlastung nach chirurgischen Eingriffen am Ellbogen
Konservative Therapie bei Operationsverzicht
Begleitende Maßnahme zur Physiotherapie
Schmerzreduktion durch gleichmäßigere Lastverteilung
Häufige Fragen
Ja, wenn auch deutlich seltener als beim Hund. Vor allem bei größeren Rassen wie Maine Coon oder Norwegischer Waldkatze ist sie in der Literatur beschrieben. Da Katzen Lahmheiten oft kaschieren, wird die Diagnose häufig erst spät gestellt.
Die Diagnose erfolgt über eine orthopädische Untersuchung beim Tierarzt, ergänzt durch Röntgenaufnahmen, CT oder MRT. Da häufig beide Ellbogen betroffen sind, fehlt der typische Seitenvergleich und die Erkrankung kann übersehen werden.
Eine maßgefertigte Ellbogenorthese oder -bandage kann das Gelenk stabilisieren, die Belastung gleichmäßiger verteilen und Schmerzen reduzieren. Die Entscheidung sollte gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt und einem erfahrenen Tierorthopäden getroffen werden.
Eine vollständige Heilung ist nicht möglich, da es sich um eine entwicklungsbedingte Fehlbildung handelt. Mit Gewichtsmanagement, Physiotherapie, gegebenenfalls Operation und orthopädischen Hilfsmitteln lässt sich die Lebensqualität jedoch deutlich verbessern.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.