Ausführlich
Das Fersenbein (Calcaneus, genauer der Tuber calcanei) ist beim Stier ein hebelartig nach hinten-oben ragender Knochen am Sprunggelenk (Tarsus). An ihm setzt die kräftige Achillessehne (Tendo calcaneus communis) an, die das Sprunggelenk aktiv streckt und damit das hohe Körpergewicht des Stieres stabilisiert. Bei einem Bruch dieses Knochens verliert die gesamte Strecksehnenkette ihren Hebelpunkt.
Typische Ursachen beim Stier
Stiere sind durch ihre Körpermasse (oft 800 bis 1.200 kg) und ihr Verhalten besonders gefährdet. Häufige Auslöser sind:
Ausrutschen oder Stürze auf glatten Spaltenböden im Laufstall
Tritte von Artgenossen, insbesondere bei Rangkämpfen
Aufspringversuche beim Decken mit Sturz nach hinten
Verfangen der Hintergliedmaße in Stalleinrichtungen
Sekundäre Frakturen bei vorbestehender Osteoporose oder Mineralstoffmangel (z. B. bei Mastbullen)
Klinisches Bild und orthopädische Relevanz
Charakteristisch ist die sogenannte Durchtrittstellung: Das Sprunggelenk sinkt deutlich ab, das Tier fußt mit fast waagerechtem Mittelfuß. Die Gliedmaße kann nicht belastet werden, häufig ist eine deutliche Schwellung über dem Sprunggelenk tastbar. Bei offenen Frakturen besteht zusätzlich hohe Infektionsgefahr.
Versorgung und orthopädische Unterstützung
Die Behandlung einer Fersenbeinfraktur beim Stier ist anspruchsvoll und gehört in tierärztliche Hand. Je nach Bruchart kommen chirurgische Verfahren (Zuggurtungsosteosynthese, Schraubenfixation) oder eine konservative Schienung in Frage. Hier setzen tierorthopädische Hilfsmittel an: Eine maßgefertigte Tarsalorthese oder Hochschaftorthese kann das Sprunggelenk in physiologischer Winkelung stabilisieren, die Achillessehnenkette entlasten und so die Heilung unterstützen. Aufgrund des Gewichts des Stieres müssen solche Versorgungen besonders robust und druckverteilend gestaltet sein.
Die Prognose hängt stark von Frakturtyp, Körpergewicht, Haltungsbedingungen und dem Zeitpunkt der Versorgung ab. Eine frühzeitige Stabilisierung verbessert die Aussichten deutlich.
Mögliche Symptome
Hochgradige Lahmheit der Hintergliedmaße
Durchtrittstellung mit abgesunkenem Sprunggelenk
Schwellung und Wärme über dem Fersenbein
Schmerzhaftigkeit bei Palpation
Krepitation (Knirschen) im Bereich des Calcaneus
Belastungsunfähigkeit der betroffenen Gliedmaße
Abnorme Beweglichkeit der Achillessehne
Orthopädische Indikationen
Postoperative Stabilisierung nach Osteosynthese des Tuber calcanei
Konservative Versorgung bei nicht dislozierten Fersenbeinfrakturen
Entlastung der Achillessehnenkette während der Heilungsphase
Tarsalorthese zur Korrektur der Durchtrittstellung
Hochschaftorthese zur Ruhigstellung des Sprunggelenks
Schutz vor Reverletzung im Laufstall
Häufige Fragen
Die Prognose ist beim Stier aufgrund des hohen Körpergewichts vorsichtig zu stellen. Bei rechtzeitiger chirurgischer oder orthetischer Versorgung und ruhiger, rutschsicherer Aufstallung ist eine funktionelle Heilung möglich. Die Entscheidung über das weitere Vorgehen sollte immer der behandelnde Tierarzt treffen.
Eine maßgefertigte Orthese stabilisiert das Sprunggelenk in physiologischer Winkelung, entlastet die Achillessehne und verhindert ein erneutes Durchtreten. Sie kann sowohl konservativ als auch ergänzend nach einer Operation eingesetzt werden und ist besonders bei schweren Tieren wie Stieren wichtig, um die Knochenheilung zu schützen.
Auffällig sind eine plötzliche, hochgradige Lahmheit, eine abgesunkene Sprunggelenksstellung (Durchtreten) und eine schmerzhafte Schwellung am Fersenbein. Bei solchen Anzeichen sollte umgehend ein Tierarzt hinzugezogen werden, da eine schnelle Diagnose und Versorgung entscheidend für den Heilungserfolg sind.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.