Fußungswinkelanomalie (Lama)
Eine Fußungswinkelanomalie beim Lama bezeichnet eine Abweichung des Winkels, in dem die Zehen beim Auffußen den Boden berühren. Sie betrifft das Zehenendorgan mit den beiden Zehenpolstern und Krallen und kann zu Fehlbelastungen der Gelenke, Sehnen und Bänder der gesamten Gliedmaße führen.
Lamas gehören zu den Schwielensohlern (Tylopoda) und besitzen an jeder Gliedmaße zwei Zehen mit weichen Sohlenpolstern und vorne aufgesetzten Krallen. Der physiologische Fußungswinkel – also der Winkel zwischen Fesselachse und Bodenfläche – liegt bei gesunden Lamas an der Vordergliedmaße bei etwa 55–60° und an der Hintergliedmaße etwas steiler. Weicht dieser Winkel dauerhaft ab, spricht man von einer Fußungswinkelanomalie.
Formen der Fußungswinkelanomalie beim Lama
- Steile Fußung (Bockhuf-ähnlich): Der Winkel ist deutlich steiler als physiologisch, die Zehen wirken aufgerichtet, die Krallen werden vorn übermäßig belastet.
- Durchtrittige Fußung: Die Fessel sinkt zu tief ab, der Winkel wird flach, das Zehenpolster und die Beugesehnen werden überdehnt.
- Asymmetrische Fußung: Innen- und Außenzehe fußen ungleich, häufig durch Schmerzen, Fehlstellungen oder einseitige Krallenüberlängen.
Ursachen
Häufige Ursachen sind mangelhafte oder unregelmäßige Krallenpflege, ungeeignete Untergründe (zu weich, zu hart, zu nass), genetische Disposition, Fehlstellungen der Gelenke (z. B. Karpus, Tarsus), Sehnenverkürzungen oder -überdehnungen sowie Folgezustände nach Verletzungen, Arthrosen oder Polyarthritiden. Auch Fütterungsfehler mit gestörtem Mineralstoffhaushalt und daraus resultierender Hornqualität spielen eine Rolle.
Orthopädische Relevanz
Eine dauerhaft veränderte Fußung führt zu ungleichmäßiger Belastung von Zehengelenken, Fesselträger, oberflächlicher und tiefer Beugesehne sowie zu sekundären Problemen in Karpus, Ellenbogen, Tarsus und Knie. Beim Lama kommt erschwerend hinzu, dass das weiche Zehenpolster bei Fehlstellung schnell Druckstellen, Hornspalten oder Entzündungen entwickelt.
Versorgung mit orthopädischen Hilfsmitteln
Neben der tierärztlichen Abklärung und konsequenter Krallenkorrektur kann die orthopädische Versorgung mit individuell angefertigten Bandagen, Fessel- oder Zehenorthesen den Fußungswinkel stabilisieren und Sehnenstrukturen entlasten. Bei Trittwerk werden solche Hilfsmittel passgenau für die anatomischen Besonderheiten des Lamas gefertigt.
Mögliche Symptome
- veränderter Fußungswinkel im Stand und in der Bewegung
- ungleichmäßiger Krallenabrieb
- Lahmheit oder steifer Gang
- durchtrittige oder aufgerichtete Fesselstellung
- Druckstellen oder Risse am Zehenpolster
- Gewichtsverlagerung auf gesunde Gliedmaßen
- Schwellungen im Bereich der Fessel- oder Zehengelenke
Orthopädische Indikationen
- Stabilisierende Fesselorthese bei durchtrittiger Fußung
- Korrekturbandage bei asymmetrischer Zehenbelastung
- Entlastungsorthese bei Sehnen- oder Bandverletzungen der Zehe
- Schutz- und Stützbandage nach Krallenkorrektur
- Orthopädische Versorgung bei angeborenen Stellungsanomalien Jungtiere
- Begleitende Versorgung bei Arthrose der Zehengelenke
Häufige Fragen
Woran erkenne ich als Halter eine Fußungswinkelanomalie bei meinem Lama?
Achten Sie auf eine veränderte Stellung der Fesseln (zu steil oder durchtrittig), ungleichmäßig abgenutzte Krallen, Lahmheiten oder eine Schonhaltung. Im Zweifel sollten Sie das Lama tierärztlich vorstellen, da die Ursachen vielfältig sein können.
Kann regelmäßige Krallenpflege eine Fußungswinkelanomalie verhindern?
Regelmäßige, fachgerechte Krallenkorrektur ist eine der wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen, da überlange oder ungleich abgenutzte Krallen den Fußungswinkel direkt verändern. Sie ersetzt jedoch keine Abklärung bei bereits bestehenden Stellungsproblemen.
Wann ist eine Orthese beim Lama sinnvoll?
Eine Orthese kann sinnvoll sein, wenn Sehnen, Bänder oder Gelenke dauerhaft entlastet oder Fehlstellungen korrigiert werden müssen. Die Entscheidung trifft der Tierarzt gemeinsam mit dem Orthopädietechniker auf Basis der Diagnose und einer individuellen Anpassung.