Ausführlich
Die Gleichbeine sind zwei kleine, pyramidenförmige Knochen an der Rückseite jedes Fesselgelenks. Sie dienen als Umlenkstellen für die tiefe und oberflächliche Beugesehne und sind über ein komplexes Bandsystem: den sogenannten Fesseltrageapparat: mit dem Röhrbein und der Fesselbeinregion verbunden. Ihre Aufgabe ist es, die enormen Zugkräfte beim Auffußen abzufangen und das Fesselgelenk zu stabilisieren.
Bei einer Gleichbeinlahmheit sind entweder die Knochen selbst (z. B. durch Frakturen, Sesamoiditis oder osteolytische Veränderungen) oder die umgebenden Strukturen (Fesselringband, Gleichbeinbänder, Ansätze der Fesselträgerschenkel) betroffen. Besonders häufig tritt die Erkrankung bei Galopprennpferden, Springpferden und jungen Pferden in intensivem Training auf.
Typische Ursachen
Überlastung durch harte Böden, schnelle Gangarten oder Sprungbelastung
Akute Frakturen der Gleichbeine (apikal, basilar, mittig oder axial)
Sesamoiditis (entzündliche Umbauvorgänge im Knochen)
Bänderrisse oder Zerrungen der Gleichbeinbänder (Ligg. sesamoidea)
Wachstumsbedingte Veränderungen bei Jungpferden
Diagnostik
Die Diagnose erfolgt tierärztlich über klinische Untersuchung, Beugeproben, diagnostische Anästhesien sowie bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall und ggf. MRT oder Szintigraphie. Eine genaue Differenzierung ist wichtig, da Prognose und Therapie stark von der betroffenen Struktur abhängen.
Orthopädische Relevanz
Neben tierärztlicher Behandlung (Ruhe, kontrolliertes Aufbautraining, Hufkorrektur, ggf. Operation) kann eine orthopädische Versorgung sinnvoll sein, um das Fesselgelenk zu entlasten und zu stabilisieren. Individuell angepasste Fessel- oder Gleichbeinorthesen sowie Bandagen können den Fesseltrageapparat unterstützen, die Überstreckung im Fesselgelenk begrenzen und dem Pferd während der Rehabilitationsphase mehr Sicherheit geben.
Mögliche Symptome
Lahmheit in unterschiedlicher Ausprägung, häufig auf hartem Boden verstärkt
Schmerzhafte Schwellung im Bereich der Fesselbeuge
Vermehrte Wärme über den Gleichbeinen
Positive Beugeprobe des Fesselgelenks
Steifer, verkürzter Gang
Berührungsempfindlichkeit an der Rückseite des Fesselgelenks
Orthopädische Indikationen
Stabilisierung des Fesselgelenks nach Gleichbeinfraktur
Entlastung des Fesseltrageapparats bei Sesamoiditis
Unterstützung während der Rehabilitationsphase nach Bänderverletzungen
Begrenzung der Überstreckung im Fesselgelenk
Schutz und Stabilisierung bei chronischen Gleichbeinerkrankungen
Häufige Fragen
Typisch sind eine plötzlich oder schleichend auftretende Lahmheit, Schwellung und Wärme in der Fesselbeuge sowie Empfindlichkeit beim Abtasten der Gleichbeine. Eine sichere Diagnose kann jedoch nur der Tierarzt mit bildgebenden Verfahren stellen.
Das hängt stark von der Art und Schwere der Verletzung ab. Bandapparat-Verletzungen und leichte Sesamoiditis heilen häufig gut aus, während Frakturen: vor allem in der Basis oder mittig: eine vorsichtigere Prognose haben. Ein individueller Reha-Plan durch Tierarzt und ggf. Physiotherapeut ist entscheidend.
Maßgefertigte Fessel- oder Gleichbeinorthesen können das Fesselgelenk gezielt stabilisieren und den Fesseltrageapparat entlasten. In der Rehabilitationsphase helfen sie, das Pferd wieder kontrolliert zu belasten. Die Auswahl sollte immer in Absprache mit dem Tierarzt erfolgen.
Vor allem Sportpferde in Galopp-, Renn- und Springdisziplinen sowie junge Pferde im intensiven Training haben ein erhöhtes Risiko. Auch Fehlstellungen der Gliedmaßen und harte oder tiefe Böden können die Entstehung begünstigen.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.