Ausführlich
Die Hydrotherapie zählt zu den wichtigsten Verfahren der tierphysiotherapeutischen Rehabilitation beim Hund. Durch den Auftrieb des Wassers wird das Körpergewicht des Tieres erheblich reduziert: je nach Wasserstand um bis zu 60 bis 80 Prozent. Dies entlastet Gelenke, Bänder und Sehnen und ermöglicht Bewegungen, die an Land schmerzhaft oder unmöglich wären. Gleichzeitig erzeugt das Wasser einen natürlichen Widerstand, der gezielt zum Muskelaufbau genutzt werden kann.
Formen der Hydrotherapie beim Hund
Unterwasserlaufband: Der Hund läuft in einer Kammer mit regulierbarem Wasserstand auf einem Laufband. Geschwindigkeit, Wassertiefe und Trainingsdauer werden individuell angepasst.
Schwimmtherapie: Im Therapiepool schwimmt der Hund unter Anleitung. Das Schwimmen trainiert das Herz-Kreislauf-System und die gesamte Muskulatur ohne Gelenkbelastung.
Wechselbäder und Güsse: Lokale Wasseranwendungen zur Förderung der Durchblutung und zur Schmerzlinderung.
Wirkprinzipien
Die warme Wassertemperatur (in der Regel 28 bis 32 °C) entspannt die Muskulatur, lindert Schmerzen und fördert die Durchblutung. Der hydrostatische Druck wirkt abschwellend auf Gewebe und unterstützt den Lymphabfluss. Der Widerstand des Wassers verbessert Koordination, Propriozeption und Kraft, während der Auftrieb die Gelenke schont.
Orthopädische Relevanz
Hydrotherapie wird häufig in Kombination mit orthopädischen Hilfsmitteln wie Orthesen oder Bandagen eingesetzt. Nach der Versorgung mit einem tierorthopädischen Hilfsmittel kann das gezielte Wassertraining helfen, die Muskulatur rund um das betroffene Gelenk aufzubauen und die Gewöhnung an die Orthese zu erleichtern. Die Therapie sollte stets unter Anleitung qualifizierter Tierphysiotherapeut:innen und in Absprache mit dem behandelnden Tierarzt erfolgen.
Mögliche Symptome
Muskelabbau (Atrophie)
Bewegungseinschränkungen
Lahmheit
Steifheit nach Belastung
Schmerzen bei Gelenkbewegung
Koordinationsstörungen
Belastungsintoleranz
Orthopädische Indikationen
Rehabilitation nach orthopädischen Operationen (z. B. Kreuzband-OP, TPLO)
Postoperative Nachsorge nach Bandscheiben-OPs
Arthrose und chronische Gelenkerkrankungen
Hüftgelenks- und Ellenbogendysplasie
Muskelaufbau bei Atrophie
Neurologische Erkrankungen mit Bewegungseinschränkung
Übergewichtsreduktion bei gelenkkranken Hunden
Begleittherapie bei Versorgung mit Orthesen oder Prothesen
Konditionstraining für Sport- und Diensthunde
Häufige Fragen
Hydrotherapie eignet sich für Hunde nahezu jeden Alters und jeder Größe: von der Rehabilitation nach Operationen bis zum Konditionstraining bei Sporthunden. Besonders profitieren Hunde mit Arthrose, Gelenkproblemen, Muskelabbau oder nach orthopädischen Eingriffen. Die Eignung sollte vorab tierärztlich abgeklärt werden.
Kontraindikationen sind unter anderem offene Wunden, Hauterkrankungen, akute Infektionen, Fieber, schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Inkontinenz. Auch in den ersten Tagen nach einer Operation ist die Therapie meist nicht möglich. Die Freigabe erfolgt immer durch den Tierarzt.
Frequenz und Dauer richten sich nach Diagnose, Trainingszustand und Therapieziel. Üblich sind ein bis zwei Sitzungen pro Woche, in der akuten Rehabilitationsphase teils häufiger. Der individuelle Therapieplan wird von der Tierphysiotherapie in Absprache mit dem Tierarzt erstellt.
Ja, Hydrotherapie und orthopädische Hilfsmittel ergänzen sich sehr gut. Das Wassertraining unterstützt den Muskelaufbau rund um das betroffene Gelenk und verbessert so die Wirksamkeit der Orthese. Auch die Gewöhnung an ein Hilfsmittel kann durch gezielte Übungen erleichtert werden.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.