Ausführlich
Der Kalkaneus (lat. Os calcaneus ) ist beim Kaninchen ein zentraler Bestandteil des Tarsus (Sprunggelenk) und liegt im hinteren, oberen Bereich der Hintergliedmaße. Sein hervorstehender Anteil, das Tuber calcanei , ist auch beim wachen Tier gut tastbar und bildet den anatomischen Hebelarm, über den die Wadenmuskulatur über die Achillessehne auf das Sprunggelenk wirkt.
Anatomische Besonderheiten beim Kaninchen
Kaninchen sind ausgesprochene Sprungtiere. Ihre Hinterläufe sind im Verhältnis zum Körper lang und muskulös, wobei der Kalkaneus als Kraftüberträger eine Schlüsselrolle spielt. Das Tuber calcanei ist beim Kaninchen besonders lang ausgebildet, was den mechanischen Vorteil beim Absprung erhöht. Die feine, leichte Knochenstruktur des Kaninchens steht dabei jedoch in einem ungünstigen Verhältnis zur Kraft, die Muskulatur und Sehnen aufbringen können: ein Grund, warum Frakturen in dieser Region nicht selten sind.
Funktionelle Bedeutung
Bei jeder Hoppelbewegung, jedem Sprung und beim Aufrichten wird der Kalkaneus stark belastet. Die Achillessehne setzt am Tuber calcanei an und überträgt die Kontraktion der Wadenmuskulatur (M. gastrocnemius, M. flexor digitorum superficialis) auf das Sprunggelenk. Eine Schädigung dieser Struktur führt unmittelbar zu einem deutlichen Funktionsverlust der gesamten Hinterhand.
Orthopädische Relevanz
Kalkaneusfrakturen durch Sprünge, Stürze aus der Höhe oder unsachgemäßes Hochheben
Achillessehnenabrisse am Ansatz des Tuber calcanei
Hyperflexion des Sprunggelenks (Durchtrittigkeit) bei Sehnenschäden
Druckstellen und Pododermatitis an der Sprunggelenkrückseite, besonders bei Rex-Kaninchen oder übergewichtigen Tieren
Fehlstellungen nach unzureichend versorgten Verletzungen
Bei Verletzungen oder Funktionsstörungen rund um den Kalkaneus können orthopädische Hilfsmittel wie Sprunggelenksorthesen oder entlastende Bandagen eingesetzt werden, um die Heilung zu unterstützen und Folgeschäden zu vermeiden. Die Versorgung sollte stets in enger Abstimmung mit dem Tierarzt erfolgen.
Mögliche Symptome
Lahmheit der Hinterhand
Durchtrittiges Sprunggelenk (Hyperflexion)
Schmerzhafte Schwellung an der Ferse
Schonhaltung, vermindertes Hoppeln
Sichtbare Fehlstellung des Hinterlaufs
Wunde Stellen an der Sprunggelenkrückseite
Orthopädische Indikationen
Sprunggelenksorthese bei Kalkaneusfraktur zur Stabilisierung
Entlastungsbandage bei Achillessehnenverletzung
Orthese bei Durchtrittigkeit nach Sehnenschaden
Schutzbandage bei Pododermatitis im Bereich des Tuber calcanei
Postoperative Stabilisierung nach Osteosynthese am Kalkaneus
Häufige Fragen
Typische Anzeichen sind eine plötzliche Lahmheit der Hinterhand, ein durchtretendes Sprunggelenk, Schwellungen an der Ferse oder eine veränderte Körperhaltung. Da Kaninchen Schmerzen lange verbergen, sollte jede Veränderung der Bewegung zeitnah tierärztlich abgeklärt werden.
Die Kombination aus extrem kräftiger Sprungmuskulatur und vergleichsweise filigraner Knochenstruktur macht den Bereich anfällig. Unkontrollierte Sprünge, Stürze aus der Höhe oder ein erschrockenes Auskeilen beim Hochheben können zu Frakturen oder Sehnenrissen führen.
Ja. Maßgefertigte Sprunggelenksorthesen können das Gelenk stabilisieren, Fehlbelastungen ausgleichen und die Heilung von Knochen- oder Sehnenverletzungen unterstützen. Die Versorgung erfolgt immer ergänzend zur tierärztlichen Behandlung und individuell angepasst.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.