Ausführlich
Die Karpalbeugekontraktur gehört bei Schafen, insbesondere bei neugeborenen Lämmern, zu den häufigsten kongenitalen Gliedmaßenfehlstellungen. Betroffene Tiere können das Karpalgelenk: das Pendant zum menschlichen Handgelenk und beim Schaf zwischen Unterarm und Vordermittelfuß gelegen: nicht aktiv strecken. In schweren Fällen laufen die Lämmer auf der Vorderseite des Karpus oder können gar nicht aufstehen.
Anatomischer Hintergrund
Das Karpalgelenk des Schafes besteht aus mehreren kleinen Knochenreihen und wird durch Beugesehnen (M. flexor digitorum superficialis und profundus) sowie Strecksehnen stabilisiert. Bei einer Beugekontraktur sind die Beugesehnen relativ zur Knochenlänge zu kurz, sodass das Gelenk in Flexion verharrt. Häufig sind beide Vordergliedmaßen symmetrisch betroffen.
Ursachen beim Schaf
Intrauterine Enge, besonders bei Mehrlingsträchtigkeit oder großen Lämmern
Mangelversorgung des Muttertieres mit Mineralstoffen und Spurenelementen (z. B. Mangan, Selen)
Virale Infektionen während der Trächtigkeit (z. B. Schmallenberg-, Akabane-, Bluetongue-Virus)
Genetische Prädispositionen in einzelnen Linien oder Rassen
Erworbene Formen durch längere Schonhaltung, Schmerzen oder neurologische Defizite
Orthopädische Relevanz
Leichte Formen bilden sich bei Lämmern oft in den ersten Lebenstagen spontan zurück, sobald das Tier aktiv steht und läuft. Mittelgradige Kontrakturen können durch frühzeitige physiotherapeutische Maßnahmen, gezielte Bewegungsförderung und orthopädische Hilfsmittel verbessert werden. Hier kommen Schienen, gepolsterte Karpalorthesen oder Stützverbände zum Einsatz, die das Gelenk passiv in Streckung halten und ein Wachstum der Sehnen-Muskel-Einheit ermöglichen.
Schwere Kontrakturen erfordern eine tierärztliche Abklärung, da hier ggf. eine chirurgische Tenotomie (Sehnendurchtrennung) notwendig wird. Die Prognose hängt stark vom Schweregrad, dem Zeitpunkt der Behandlung und dem Allgemeinzustand des Lammes ab. Eine individuell angepasste Orthese, wie sie bei Trittwerk gefertigt wird, kann die Streckung unterstützen und gleichzeitig Druckstellen am empfindlichen Lammbein vermeiden.
Mögliche Symptome
Gebeugte, nicht streckbare Vordergliedmaße(n) am Karpalgelenk
Laufen auf der Vorderseite des Karpus (Knien)
Aufstehprobleme oder Unfähigkeit zu stehen beim Lamm
Druckstellen oder Hautwunden an der Karpusvorderseite
Reduzierte Trinkmenge durch erschwerten Zugang zum Euter
Sichtbare Verkürzung der Beugesehnen bei passiver Streckung
Orthopädische Indikationen
Konservative Korrektur leichter bis mittelgradiger Karpalbeugekontrakturen bei Lämmern
Karpalorthese zur passiven Streckung und Sehnenverlängerung
Stützschiene nach chirurgischer Tenotomie zur Nachversorgung
Schutzbandage bei vorhandenen Druckstellen am Karpus
Stabilisierung bei erworbener Beugekontraktur durch Schonhaltung
Begleitende Versorgung im Rahmen der Physiotherapie
Häufige Fragen
Leichte Formen bessern sich häufig innerhalb der ersten Lebenstage, sobald das Lamm aktiv steht und läuft. Mittel- und hochgradige Kontrakturen benötigen jedoch eine tierärztliche Beurteilung und oft eine orthopädische Unterstützung, um Fehlentwicklungen zu vermeiden.
Je früher, desto besser. In den ersten Lebenstagen sind Sehnen und Gewebe besonders anpassungsfähig. Eine maßgefertigte Karpalorthese kann das Gelenk passiv strecken und so die Sehnenstruktur langsam dehnen. Die Indikation stellt der Tierarzt.
Eine vollständige Vorbeugung ist nicht möglich, da auch genetische und intrauterine Faktoren eine Rolle spielen. Eine bedarfsgerechte Mineral- und Spurenelementversorgung des Mutterschafs sowie ein konsequenter Impf- und Hygieneschutz gegen virale Erreger reduzieren das Risiko deutlich.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.