Ausführlich
Das Karpalgelenk der Katze ist ein komplex aufgebautes Gelenk aus mehreren Reihen kleiner Knochen (Karpalknochen), die durch ein dichtes Netz aus Bändern, Sehnen und der palmaren Faserplatte (palmares Fibrocartilago) stabilisiert werden. Diese palmaren Strukturen verhindern im Normalfall, dass das Gelenk beim Auftreten nach hinten durchknickt. Reißen oder dehnen sich diese Bänder, kommt es zur Hyperextension: das Gelenk lässt sich unphysiologisch weit nach dorsal überstrecken.
Typische Ursachen bei der Katze
Anders als beim Hund, wo das Syndrom häufig nach Sprüngen aus großer Höhe auftritt, ist die Katze besonders häufig vom sogenannten „High-Rise-Syndrom“ betroffen: Stürze aus Fenstern oder von Balkonen führen zu einer abrupten Überlastung der Karpalgelenke. Weitere Ursachen können sein:
Trauma durch Verkehrsunfälle oder Sturz
Chronische Überlastung bei übergewichtigen Tieren
Immunvermittelte Polyarthritis mit Bandlaxität
Seltener: angeborene Bandschwäche
Degenerative Veränderungen im Alter
Betroffene Strukturen
Geschädigt sein können der palmare Bandapparat, die kurzen Karpalbänder zwischen den Knochenreihen, die Gelenkkapsel sowie der Fibrocartilago palmaris. Die Verletzung kann auf einer Ebene (antebrachiokarpal, mittelkarpal oder karpometakarpal) oder mehreren Ebenen gleichzeitig auftreten: letzteres ist bei Katzen besonders häufig.
Orthopädische Relevanz
Die Diagnose erfolgt klinisch und durch gehaltene Röntgenaufnahmen in Stressposition. Therapeutisch stehen je nach Schweregrad konservative Maßnahmen mit Stützverbänden oder Orthesen sowie chirurgische Verfahren (Arthrodese) zur Verfügung. Maßangefertigte Karpalorthesen können das Gelenk stabilisieren, eine weitere Überdehnung verhindern und: insbesondere bei älteren Katzen oder bei kontraindizierter Operation: als dauerhafte Versorgung dienen. Die filigrane Anatomie der Katzenpfote erfordert eine besonders präzise Anpassung.
Mögliche Symptome
Durchtreten der Vorderpfote beim Stehen oder Gehen
Plantigrades Auftreten (Auftreten mit Karpus statt Pfote)
Schwellung im Bereich des Karpalgelenks
Schmerzäußerung bei Manipulation
Lahmheit der betroffenen Vordergliedmaße
Vermehrtes Liegen, reduzierte Aktivität
Sprungunlust oder Springen nur mit Hinterbeinen
Orthopädische Indikationen
Konservative Versorgung von Teilrupturen des palmaren Bandapparates
Postoperative Stabilisierung nach Bandrekonstruktion
Stützung bei chronischer Karpalinstabilität
Alternative bei nicht operablen Katzen (Alter, Vorerkrankungen)
Unterstützung bei immunvermittelter Polyarthritis mit Karpalbeteiligung
Dauerhafte Versorgung als Alternative zur Arthrodese
Häufige Fragen
Bei leichten Teilverletzungen oder wenn eine Operation nicht möglich ist, kann eine maßangefertigte Karpalorthese das Gelenk dauerhaft stabilisieren. Die Entscheidung über das passende Vorgehen trifft der behandelnde Tierarzt anhand des Verletzungsgrads.
Katzen stürzen häufig aus großer Höhe (High-Rise-Syndrom) und landen dabei mit den Vorderpfoten zuerst. Die enormen Kräfte beim Aufprall können den palmaren Bandapparat des feinen Karpalgelenks überlasten und reißen lassen.
Auffällig ist das Durchsacken der Vorderpfote beim Auftreten: die Katze stützt sich nicht mehr auf die Pfote, sondern auf die Handwurzel. Zusätzlich treten Lahmheit, Schwellung und Schonhaltung auf. Eine tierärztliche Abklärung mit Röntgen ist erforderlich.
Katzen benötigen eine Eingewöhnungsphase. Eine gut angepasste, leichte Orthese aus weichen Materialien wird in der Regel akzeptiert. Wichtig sind regelmäßige Kontrollen auf Druckstellen und eine schrittweise Gewöhnung im häuslichen Umfeld.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.