Ausführlich
Die Schafklaue besteht aus zwei Klauenschalen (lateral und medial), die von einer harten Hornkapsel umgeben sind. Diese Hornkapsel wird im Kronsaum gebildet und wächst kontinuierlich nach unten. Ein Klauenwandriss entsteht, wenn diese Hornstruktur ihre Belastbarkeit verliert oder mechanisch überlastet wird. Beim Schaf treten Risse besonders an der vorderen Klauenwand (Zehenwand) und an den Seitenwänden auf.
Formen des Klauenwandrisses
Vertikale Risse (Fissuren): Verlaufen längs vom Kronsaum nach unten, oft durch Trauma oder Hornqualitätsprobleme.
Horizontale Risse: Verlaufen quer zur Wachstumsrichtung, häufig nach systemischen Erkrankungen oder Fieber, die das Hornwachstum kurzzeitig gestört haben.
Oberflächliche Risse: Betreffen nur das äußere Horn, meist schmerzfrei.
Tiefe Risse: Reichen bis zur Lederhaut und sind schmerzhaft, oft mit Blutungen oder Infektionen.
Ursachen beim Schaf
Klauenwandrisse beim Schaf entstehen multifaktoriell. Häufige Ursachen sind unausgewogene Fütterung mit Mangel an Zink, Biotin oder Schwefelaminosäuren, dauerhaft feuchte oder stark wechselnde Haltungsbedingungen (Weide-Stall-Wechsel), zu langes Wachsen ohne Klauenpflege sowie mechanische Traumata an Steinen oder hartem Untergrund. Auch chronische Klauenerkrankungen wie Moderhinke (Dichelobacter nodosus) oder Klauenfäule schwächen die Hornstruktur und begünstigen Risse.
Orthopädische Relevanz
Tiefe Klauenwandrisse können zu Lahmheit, Entzündungen der Lederhaut und im schlimmsten Fall zu Klauenbeinveränderungen führen. Bei chronischen oder instabilen Rissen kann eine fachgerechte Klauenpflege durch den Tierarzt oder ausgebildeten Klauenpfleger erforderlich sein. In Einzelfällen: etwa bei wertvollen Zuchttieren oder Hobbyschafen: kommen stützende Verbände, Klauenkleber oder individuell angepasste orthopädische Hilfsmittel zum Einsatz, um die Klaue zu entlasten und die Heilung zu unterstützen.
Mögliche Symptome
Sichtbarer Spalt in der Klauenwand
Lahmheit oder Schonhaltung
Druckschmerz an der betroffenen Klaue
Blutung oder Sekretaustritt aus dem Riss
Vermehrtes Liegen
Schlechte Hornqualität, brüchiges Horn
Sekundäre Infektionen mit Eiterbildung
Orthopädische Indikationen
Stützverband zur Stabilisierung tiefer Wandrisse
Klauenentlastung bei einseitiger Belastung
Schutzverband nach chirurgischer Klauenversorgung
Orthopädische Hilfsmittel zur Druckumverteilung bei chronischen Rissen
Hufschuh-ähnliche Versorgung für Hobby- und Zuchtschafe während der Heilungsphase
Häufige Fragen
Achte auf Lahmheit, häufiges Liegen oder eine entlastende Haltung des betroffenen Beines. Bei der Klauenkontrolle sieht man oft einen deutlichen Spalt in der Hornwand, manchmal mit Blutung oder dunkler Verfärbung. Bei Verdacht sollte ein Tierarzt oder erfahrener Klauenpfleger die Klaue beurteilen.
Oberflächliche Risse können bei guter Klauenpflege oft von selbst auswachsen. Tiefe oder schmerzhafte Risse, Blutungen oder Lahmheiten gehören jedoch in tierärztliche Hand. Selbstbehandlung ohne Fachwissen kann die Lederhaut verletzen und Infektionen verschlimmern.
Regelmäßige Klauenpflege (zwei- bis dreimal jährlich), ausgewogene Mineralstoffversorgung mit ausreichend Zink und Biotin, trockene Lauf- und Liegeflächen sowie die konsequente Bekämpfung von Moderhinke sind die wichtigsten Vorbeugemaßnahmen. Auch eine genetische Selektion auf gute Klauengesundheit hilft langfristig.
Bei tiefen, instabilen oder chronisch wiederkehrenden Rissen kann ein Stützverband, Klauenkleber oder ein individuell angefertigter Klauenschutz die Heilung unterstützen. Trittwerk berät bei Sonderanfertigungen für Schafe, etwa bei wertvollen Zucht- oder Hobbytieren.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.