Ausführlich
Der Klebebeschlag ist eine moderne Alternative zum klassischen genagelten Hufeisen und kommt beim Pferd immer dann zum Einsatz, wenn die Hufwand nicht ausreichend tragfähig ist oder eine besonders schonende Versorgung notwendig wird. Statt das Eisen mit Hufnägeln in der Hornwand zu befestigen, wird es mit einem 2-Komponenten-Kleber (meist auf Polyurethan- oder Acrylbasis) auf die äußere Hufwand oder die Sohle aufgebracht.
Anatomischer Hintergrund
Der Pferdehuf besteht aus Hornkapsel, Hufbein, Strahl, Sohle und Ballen. Die Hornwand wächst vom Kronrand nach unten und benötigt für einen genagelten Beschlag eine bestimmte Wandstärke und -qualität. Ist diese durch Erkrankungen, Risse oder dünnes Horn beeinträchtigt, bietet der Klebebeschlag eine nagelfreie Befestigungsmöglichkeit, die das verbliebene Horn schont.
Einsatzgebiete
Hufrehe und Rotation des Hufbeins
Hornwanddefekte, Hornspalten und brüchige Hufe
Fohlenbeschläge zur Korrektur von Fehlstellungen
Postoperative Versorgung nach Hufoperationen
Hufbeinfrakturen und Strahlbeinprobleme
Pferde mit chronisch dünner oder empfindlicher Hornwand
Materialien und Ausführung
Klebebeschläge werden in verschiedenen Varianten angeboten: als Kunststoffbeschläge mit seitlichen Klebelaschen (Cuffs), als Aluminium- oder Stahleisen mit aufgeklebten Klebeflanken oder als direkt am Huf modellierte Kunststoffschalen. Die Auswahl richtet sich nach Indikation, Belastung und Haltungsbedingungen des Pferdes.
Orthopädische Bedeutung
In der tierorthopädischen Versorgung des Pferdes spielt der Klebebeschlag eine zentrale Rolle, da er gezielt mit Keilen, Stegen, Polstern oder Hufschuh-ähnlichen Konstruktionen kombiniert werden kann. So lassen sich Druckverteilung, Abrollung und Stellung des Hufes individuell beeinflussen: etwa zur Entlastung der tiefen Beugesehne oder zur Stabilisierung des Hufbeins. Die Anbringung sollte stets durch einen erfahrenen Hufschmied in Absprache mit dem Tierarzt erfolgen.
Mögliche Symptome
Lahmheit
Hornwanddefekte
Hufrisse und Hornspalten
dünne oder brüchige Hornwand
Schmerzen beim Auftreten
Schonhaltung
Hufrehe-bedingte Bewegungsstörungen
Orthopädische Indikationen
Hufrehe mit Hufbeinrotation
Hornwanddefekte und Hornspalten
Korrekturbeschlag bei Fohlen mit Fehlstellungen
postoperative Hufversorgung
Hufbeinfraktur
Entlastung der tiefen Beugesehne
Strahlbeinerkrankungen
Pferde mit nicht nagelbarem Horn
Häufige Fragen
Ein Klebebeschlag ist immer dann sinnvoll, wenn das Hufhorn zu dünn, brüchig oder beschädigt ist, um Nägel sicher aufzunehmen. Auch bei Hufrehe, Fohlenkorrekturen, nach Operationen oder bei sehr schmerzempfindlichen Hufen ist diese schonende Methode oft die Versorgung der Wahl.
Ein fachgerecht aufgebrachter Klebebeschlag hält in der Regel einen normalen Beschlagsintervall von etwa 6 bis 8 Wochen. Die Haltbarkeit hängt von der Hornqualität, Haltung, Bewegung und Witterung ab. Bei starker Belastung oder feuchten Bedingungen kann die Standzeit kürzer ausfallen.
Ja, Klebebeschläge sind aufgrund des höheren Materialaufwands und der längeren Verarbeitungszeit deutlich teurer als klassische genagelte Beschläge. Bei medizinischer Indikation rechtfertigt der therapeutische Nutzen jedoch in der Regel den Mehraufwand.
Das Anbringen eines Klebebeschlags erfordert spezielle Kenntnisse und Erfahrung in der Klebetechnik sowie eine sorgfältige Hufvorbereitung. Wir empfehlen, einen Hufschmied mit nachgewiesener Qualifikation im orthopädischen Beschlag und in enger Abstimmung mit dem behandelnden Tierarzt zu wählen.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.