Ausführlich
Der Tibiotarsus ist beim Vogel der lange Knochen zwischen Kniegelenk (Articulatio genus) und Intertarsalgelenk. Anders als bei Säugetieren ist er aus Tibia und proximalen Tarsalknochen verschmolzen und trägt einen erheblichen Teil der Standlast. Eine Rotationsdeformität bedeutet, dass dieser Knochen während des Wachstums oder durch traumatische Einflüsse spiralig verdreht wird, sodass die distale Gelenkachse nicht mehr parallel zur proximalen Achse verläuft.
Anatomische Besonderheiten beim Vogel
Die Wachstumsfugen des Tibiotarsus sind beim Jungvogel besonders empfindlich. Da Vögel auf einer einzigen funktionellen Beinachse balancieren müssen, wirken sich bereits geringe Rotationen stark auf das Gangbild und die Belastung der angrenzenden Gelenke (Knie- und Intertarsalgelenk) aus. Häufig sind beide Beine asymmetrisch betroffen.
Ursachen
Fehlernährung im Wachstum (Calcium-, Phosphor-, Vitamin-D3-Imbalancen, Eiweißüberschuss)
Zu schnelle Gewichtszunahme, besonders bei Mastrassen und Greifvogel-Nestlingen
Ungeeigneter Untergrund im Nest oder in der Aufzucht (zu glatt, zu weich)
Traumata wie Frakturen mit Fehlheilung
Genetische Prädisposition bei bestimmten Linien
Begleitend zu Perosis oder Valgus-/Varus-Deformitäten
Orthopädische Relevanz
Eine unbehandelte Rotationsdeformität führt zu chronischer Fehlbelastung von Gelenken, Sehnen und Sohlenballen. Typisch sind Bumblefoot (Pododermatitis) am stärker belasteten Bein, Sehnenluxationen am Intertarsalgelenk und im weiteren Verlauf Arthrosen. Bei Greifvögeln und Wassergeflügel kann die Flug- bzw. Schwimmfähigkeit eingeschränkt sein.
Versorgung
Im Wachstum kann eine Rotationsdeformität durch sogenannte Derotationsverbände, Schienen oder individuell gefertigte Orthesen schrittweise korrigiert werden, solange die Wachstumsfugen noch offen sind. Bei adulten Vögeln ist meist nur eine chirurgische Derotationsosteotomie zielführend. Trittwerk fertigt für betroffene Vögel leichte, individuell angepasste Schienen- und Orthesensysteme an, die in enger Abstimmung mit dem behandelnden Tierarzt eingesetzt werden.
Mögliche Symptome
Nach innen oder außen verdrehter Lauf
Asymmetrisches Gangbild, Humpeln
Wegrutschen oder Spreizen der Beine
Einseitige Druckstellen an den Sohlenballen
Reduzierte Stand- und Flugfähigkeit
Fehlstellung der Zehen durch kompensatorische Belastung
Sehnenluxation am Intertarsalgelenk
Orthopädische Indikationen
Derotationsschiene bei Jungvögeln mit offenen Wachstumsfugen
Individuell gefertigte Tibiotarsus-Orthese zur Achsenkorrektur
Stützorthese nach Derotationsosteotomie
Entlastungsorthese bei sekundärer Pododermatitis
Kombinierte Orthese bei gleichzeitiger Valgus-/Varus-Komponente
Häufige Fragen
So früh wie möglich. Je jünger der Vogel und je offener die Wachstumsfugen sind, desto besser stehen die Chancen für eine konservative Korrektur mit Schiene oder Orthese. Bei adulten Tieren bleibt meist nur ein chirurgischer Eingriff.
Ja. Fehler in der Nährstoffversorgung: insbesondere ein Ungleichgewicht von Calcium, Phosphor und Vitamin D3 sowie zu energiereiche Fütterung im Wachstum: sind häufige Ursachen. Eine artgerechte Ration und ein geeigneter Untergrund in der Aufzucht sind wichtige Präventionsmaßnahmen.
Nach tierärztlicher Diagnose und Vermessung des Beins wird bei Trittwerk eine leichte, individuell angepasste Orthese gefertigt. Material und Konstruktion werden auf die geringe Körpermasse, das empfindliche Gefieder und die spezifische Belastungssituation des Vogels abgestimmt.
Eine fachgerecht angepasste Schiene oder Orthese verursacht keine Schmerzen. Wichtig ist eine regelmäßige Kontrolle, um Druckstellen zu vermeiden und die Korrektur dem Wachstumsfortschritt anzupassen. Die Versorgung sollte immer in enger Begleitung des Tierarztes erfolgen.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.