Ausführlich
Das Sakroiliakalgelenk (ISG) der Katze verbindet das Kreuzbein mit den beiden Darmbeinflügeln (Alae ossis ilii) und bildet damit die knöcherne Brücke zwischen Wirbelsäule und Becken. Anatomisch handelt es sich um eine Amphiarthrose: ein straffes Gelenk mit nur minimaler Beweglichkeit, das durch kräftige dorsale, ventrale und interossäre Bänder gesichert wird.
Anatomische Besonderheiten bei der Katze
Katzen besitzen im Vergleich zu Hunden ein schmaleres, längliches Becken und eine sehr flexible Wirbelsäule. Das ISG liegt beidseits des Kreuzbeins und überträgt die Schubkräfte der Hintergliedmaßen beim Springen, Klettern und Landen auf den Rumpf. Der enge Bandapparat sorgt für Stabilität, während die enorme Sprungkraft der Katze hohe Belastungsspitzen erzeugt.
Orthopädische Relevanz
Die häufigste Erkrankung des ISG bei der Katze ist die traumatische Sakroiliakalluxation, meist nach Sturz aus großer Höhe („High-Rise-Syndrom“) oder Autounfall. Dabei reißen die Bänder, das Ilium verschiebt sich gegenüber dem Kreuzbein: oft einseitig, seltener beidseitig. Begleitverletzungen wie Beckenfrakturen, Ischiadikusläsionen oder Verletzungen des Kreuzbeins sind häufig.
Traumatische Luxation (Sakroiliakalluxation)
Sekundäre Arthrose bei chronischer Instabilität
Selten: entzündliche oder degenerative Veränderungen
Diagnostik und Behandlung
Die Diagnose erfolgt tierärztlich mittels Palpation, Röntgen und ggf. CT. Bei deutlicher Verschiebung oder neurologischen Ausfällen ist häufig eine chirurgische Reposition und Fixation (z. B. mit Sakralschraube) angezeigt. Konservativ behandelte Katzen benötigen strikte Käfigruhe und engmaschige Kontrolle.
Rolle orthopädischer Hilfsmittel
Nach chirurgischer Versorgung oder in der Rekonvaleszenz können stabilisierende Beckenbandagen oder maßgefertigte Hilfsmittel die Rumpfmuskulatur entlasten und die Beckenstellung sichern. Trittwerk fertigt bei Bedarf individuelle Lösungen an, die der schlanken Anatomie und dem hohen Bewegungsdrang der Katze gerecht werden: stets in Abstimmung mit Tierarzt und Physiotherapie.
Mögliche Symptome
Lahmheit oder Schonhaltung einer Hintergliedmaße
Asymmetrische Beckenstellung
Schmerzäußerung bei Berührung der Kreuzbeinregion
Bewegungsunlust, kein Springen mehr
Steifer, verspannter Gang
Kot- oder Harnabsatzstörungen bei Nervenbeteiligung
Sichtbarer Beckenschiefstand
Orthopädische Indikationen
Postoperative Stabilisierung nach Sakroiliakalluxation
Konservative Ruhigstellung bei geringgradiger ISG-Instabilität
Unterstützung der Beckenmuskulatur in der Rehabilitationsphase
Entlastung bei chronischen ISG-bedingten Schmerzen
Schutz und Stabilisierung während der Physiotherapie
Häufige Fragen
Typische Hinweise sind plötzliche Hinterhandlahmheit nach einem Sturz oder Unfall, ein schiefes Becken, Schmerzäußerungen beim Anfassen des unteren Rückens und Bewegungsunlust. Eine sichere Diagnose ist nur durch tierärztliche Untersuchung mit Röntgen möglich.
Katzen stürzen häufig aus Höhen (z. B. Balkon, Fenster) oder werden Opfer von Verkehrsunfällen. Die aufprallenden Kräfte werden über die Hintergliedmaßen ins Becken geleitet und können den straffen Bandapparat des ISG zerreißen.
In leichten Fällen mit geringer Verschiebung ist eine konservative Therapie mit strikter Ruhigstellung möglich. Bei deutlicher Instabilität, starker Verschiebung oder Nervenbeteiligung ist eine Operation meist notwendig. Die Entscheidung trifft der Tierarzt individuell.
Trittwerk fertigt individuell angepasste orthopädische Hilfsmittel, die in der Rehabilitationsphase Stabilität geben und die Beckenmuskulatur entlasten. Die Versorgung erfolgt immer in enger Abstimmung mit dem behandelnden Tierarzt und Physiotherapeuten.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.