TrittwerkTierorthopädie

Schwanzabriss bei der Katze

Ein Schwanzabriss (traumatische Kaudalavulsion) bei der Katze bezeichnet eine Verletzung, bei der der Schwanz durch starken Zug vom Körper teilweise oder vollständig abgerissen wird. Dabei kommt es häufig zu Schäden an den Schwanzwirbeln, den Nerven des Plexus caudalis sowie am Rückenmark beziehungsweise den Nervenwurzeln im Kreuz-Schwanz-Bereich. Die Verletzung kann neben dem Schwanz auch die Funktion von Blase, Darm und Hinterbeinen beeinträchtigen.

Ausführlich

Der Schwanz der Katze besteht aus rund 18 bis 23 Schwanzwirbeln (Vertebrae caudales), die durch Bandscheiben, Bänder und Muskulatur verbunden sind. Über den Schwanz verlaufen Nerven, die aus dem sakralen und kaudalen Rückenmarksabschnitt entspringen und unter anderem für die Beweglichkeit des Schwanzes, die Kontrolle von Blase und Mastdarm sowie die Sensibilität im Perinealbereich zuständig sind. Bei einem Schwanzabriss werden diese empfindlichen Strukturen durch abrupten Zug überdehnt oder zerrissen.

Typische Ursachen bei der Katze

Katzen erleiden einen Schwanzabriss meist durch Unfälle, bei denen der Schwanz plötzlich mit hoher Kraft gezogen oder eingeklemmt wird. Häufige Auslöser sind Autounfälle (der sogenannte tail-pull injury ), das Einklemmen des Schwanzes in Türen, das Festhängen beim Sprung sowie unsachgemäßes Hochheben am Schwanz.

Betroffene Strukturen

Schwanzwirbel und Bandscheiben (Frakturen, Luxationen)

Nervenwurzeln des Plexus sacralis und caudalis

Rückenmarksende (Cauda equina)

Haut, Muskulatur und Gefäße im Schwanzansatz

Orthopädische und neurologische Relevanz

Je nach Lokalisation der Verletzung reichen die Folgen von einer schlaffen Schwanzlähmung über Inkontinenz von Harn und Kot bis hin zu Gangstörungen der Hintergliedmaßen. In vielen Fällen ist eine Amputation des geschädigten Schwanzabschnitts notwendig, um Folgeinfektionen und Nekrosen zu vermeiden.

Nach der chirurgischen Versorgung kann die Katze im Rahmen der Rehabilitation von unterstützenden Hilfsmitteln profitieren. Bleibt eine Schwäche oder Lähmung der Hinterhand bestehen, kommen individuell angepasste Bandagen, Hinterhandgeschirre oder in seltenen Fällen orthopädische Hilfsmittel zum Einsatz, die das Aufstehen und Gehen erleichtern. Die Anpassung erfolgt immer in enger Abstimmung mit Tierarzt und Physiotherapeut.

Mögliche Symptome

schlaff herabhängender, bewegungsloser Schwanz

fehlende Sensibilität im Schwanz

Harninkontinenz oder unvollständige Blasenentleerung

Kotabsatzstörungen bis Inkontinenz

geweiteter, schlaffer Anus

Schmerzen im Kreuz-Schwanz-Bereich

Gangunsicherheit oder Schwäche der Hinterhand

Wunden, Blutungen oder freiliegende Strukturen am Schwanzansatz

Orthopädische Indikationen

Stabilisierung der Hinterhand bei bestehender neurologischer Schwäche nach Schwanzamputation

Unterstützungsgeschirre zur Gehhilfe bei Cauda-equina-Symptomatik

Schutzbandagen im Wundheilungsbereich nach chirurgischer Versorgung

individuelle Hilfsmittel zur Entlastung bei chronischen Bewegungseinschränkungen infolge der Verletzung

Häufige Fragen

Nein, abgerissene Schwanzabschnitte wachsen nicht nach. Je nach Schwere entscheidet der Tierarzt, ob der Schwanz erhalten werden kann oder amputiert werden muss. Entscheidend für die Prognose sind vor allem die begleitenden Nervenschäden.

Der Zug am Schwanz überträgt sich auf die Nervenwurzeln im hinteren Wirbelsäulenbereich. Werden diese geschädigt, können Blasen- und Mastdarmfunktion sowie die Beweglichkeit der Hinterbeine beeinträchtigt sein. Deshalb ist immer eine tierärztliche Abklärung notwendig.

Viele Katzen kommen nach der Heilung sehr gut mit einem verkürzten oder fehlenden Schwanz zurecht. Bleiben jedoch neurologische Ausfälle bestehen, sind langfristige Betreuung, Physiotherapie und gegebenenfalls orthopädische Hilfsmittel sinnvoll, um Lebensqualität und Mobilität zu erhalten.

Sobald der Schwanz schlaff herabhängt, die Katze Harn oder Kot nicht mehr kontrolliert absetzen kann oder sichtbare Verletzungen am Schwanzansatz bestehen, ist ein sofortiger Tierarztbesuch notwendig: auch wenn die Katze äußerlich ruhig wirkt.

Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.

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