Ausführlich
Das Tarsalgelenk (Sprunggelenk) des Hundes ist ein komplexes Gelenk, das aus mehreren Knochenreihen besteht und eine zentrale Rolle in der Fortbewegung spielt. Es verbindet den Unterschenkel mit dem Mittelfuß und ermöglicht primär Beuge- und Streckbewegungen. Bei gesunden Hunden wird das Sprunggelenk durch ein ausbalanciertes Zusammenspiel von Strecksehnen (Extensoren), Beugesehnen (Flexoren), Bändern und Muskeln in seiner physiologischen Position gehalten.
Bei der Tarsalhyperflexion kommt es zu einer pathologischen Überbiegung des Sprunggelenks nach plantar (fußsohlenwärts), sodass der Winkel zwischen Tibia und Metatarsus stark verkleinert ist. Im Extremfall berührt die Rückseite des Tarsus den Boden, und der Hund läuft praktisch auf seinem Sprunggelenk statt auf den Pfotenballen. Diese Fehlstellung ist für den Hund sehr schmerzhaft und schränkt die Mobilität erheblich ein.
Ursachen der Tarsalhyperflexion
Die häufigsten Ursachen sind traumatische Verletzungen der Achillessehne oder des Musculus gastrocnemius, die als Hauptstrecker des Sprunggelenks fungieren. Durchtrennungen, Rupturen oder Überdehnung dieser Sehnen führen zum Verlust der Streckfunktion. Neurologische Schädigungen wie periphere Nervenverletzungen (insbesondere des Nervus tibialis oder Nervus fibularis), Rückenmarksverletzungen oder Bandscheibenvorfälle können die Innervation der Extensoren beeinträchtigen. Auch angeborene Fehlbildungen, Stoffwechselerkrankungen oder degenerative Sehnenveränderungen können eine Rolle spielen.
Orthopädische Relevanz und Behandlung
Die Diagnose erfolgt durch klinische Untersuchung, Gangbildanalyse und bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Ultraschall zur Beurteilung der Sehnen und Gelenkstrukturen. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und kann konservativ oder chirurgisch erfolgen. Bei Sehnenrupturen kann eine operative Naht oder Rekonstruktion notwendig sein, während neurologische Ursachen oft eine längere Regenerationszeit erfordern.
Rolle orthopädischer Hilfsmittel
Orthesen spielen eine zentrale Rolle in der Therapie der Tarsalhyperflexion. Eine Tarsalorthese stabilisiert das Sprunggelenk in einer funktionellen Position, verhindert die übermäßige Flexion und ermöglicht dem Hund ein physiologischeres Gangbild. Sie unterstützt die Heilung nach Sehnenoperationen, kompensiert bei bleibenden neurologischen Ausfällen und schützt das Gelenk vor weiteren Schädigungen. Individuell angepasste Orthesen von Trittwerk ermöglichen vielen Hunden mit Tarsalhyperflexion eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität und Mobilität.
Die Prognose hängt stark von der Grunderkrankung ab. Traumatische Sehnenverletzungen haben bei rechtzeitiger Behandlung oft eine gute Heilungschance, während neurologische Ursachen eine längerfristige oder dauerhafte Versorgung mit orthopädischen Hilfsmitteln erfordern können.
Mögliche Symptome
Durchgetretenes Sprunggelenk beim Stehen
Auftritt auf der Rückseite des Tarsus
Verändertes Gangbild mit verkürzter Schrittlänge
Lahmheit der betroffenen Gliedmaße
Schmerzen im Bereich des Sprunggelenks
Schwellung und Überwärmung des Tarsalgelenks
Verminderte Belastung der betroffenen Pfote
Schwäche oder Ausfall der Zehenstreckung
Hautabschürfungen an der Rückseite des Sprunggelenks
Orthopädische Indikationen
Tarsalorthese zur Stabilisierung des Sprunggelenks
Funktionsorthese zur Kompensation ausgefallener Extensoren
Postoperative Orthese nach Achillessehnenrekonstruktion
Langzeitorthese bei irreversibler Nervenschädigung
Rehabilitationsorthese zur Unterstützung der Sehnenheilung
Schutzorthese zur Vermeidung von Hautläsionen am Tarsus
Häufige Fragen
Das hängt von der Ursache ab. Bei leichten Sehnenüberdehnungen oder neurologischen Reizungen kann eine spontane Besserung eintreten. Bei kompletten Sehnenrupturen oder schweren Nervenschädigungen ist ohne Behandlung keine Heilung zu erwarten. Eine frühzeitige tierärztliche Abklärung ist daher entscheidend für die Prognose.
Die Tragedauer richtet sich nach der Grunderkrankung. Nach Sehnenoperationen wird die Orthese meist für 6-12 Wochen während der Heilungsphase getragen. Bei neurologischen Ausfällen kann eine dauerhafte Versorgung notwendig sein. Ihr Tierarzt erstellt einen individuellen Behandlungsplan und passt die Tragedauer entsprechend dem Heilungsverlauf an.
Ohne Behandlung ist das Gangbild stark beeinträchtigt, und der Hund kann meist nur unter Schmerzen und mit erheblicher Einschränkung laufen. Mit einer gut angepassten Tarsalorthese können viele Hunde jedoch wieder nahezu normal gehen und sogar leicht laufen. Die Orthese stabilisiert das Gelenk und ermöglicht einen physiologischeren Bewegungsablauf, wodurch die Lebensqualität deutlich verbessert wird.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.