Ausführlich
Die Tarsitis ist eine entzündliche Erkrankung des Sprunggelenks, das beim Stier eine zentrale Rolle für Stand- und Bewegungsstabilität spielt. Das Tarsalgelenk besteht aus mehreren Etagen (Articulatio tarsocruralis, intertarsea proximalis und distalis sowie tarsometatarsea) und ist beim erwachsenen Stier täglich enormen Druck- und Scherkräften ausgesetzt: insbesondere bei Zuchtbullen mit Lebendgewichten von über einer Tonne.
Anatomischer Hintergrund
Das Sprunggelenk des Stieres verbindet Unterschenkel (Tibia) und Mittelfuß (Metatarsus). Charakteristisch ist die ausgeprägte mediale Seite mit dem Tuber calcanei, der als Hebelpunkt für die Achillessehne dient. Bei Stieren ist das Tarsalgelenk durch das hohe Eigengewicht und die wuchtigen Bewegungsabläufe beim Aufsprung während des Deckens besonders belastet.
Ursachen beim Stier
Mechanische Überlastung durch hohes Körpergewicht und Aufsprungverletzungen beim Decken
Druckläsionen und Liegeschwielen durch harte, unzureichend eingestreute Stallböden
Traumata durch Tritte, Ausrutschen auf Spaltenböden oder Rangkämpfe
Infektiöse Ursachen (z. B. Mycoplasma bovis, Histophilus somni, sekundär nach Klauenerkrankungen)
Gelenkfehlstellungen wie Säbelbeinigkeit oder Kuhhessigkeit, die zu chronischer Fehlbelastung führen
Orthopädische Relevanz
Eine unbehandelte Tarsitis führt beim Stier rasch zu chronischer Lahmheit, Muskelatrophie der Hinterhand und einem deutlichen Rückgang der Decktauglichkeit. Da Zuchtbullen sicher und kräftig aufspringen müssen, ist die Funktionsfähigkeit beider Sprunggelenke wirtschaftlich entscheidend. Bei Mastbullen beeinträchtigt eine Tarsitis die Futteraufnahme, da das Aufstehen schmerzhaft wird.
Versorgung mit orthopädischen Hilfsmitteln
Maßgefertigte Tarsalbandagen oder Stützorthesen können das Sprunggelenk entlasten, Schwellungen reduzieren und das Gelenk in einer funktionellen Stellung stabilisieren. Bei chronischen Verläufen oder nach Operationen unterstützen individuell angepasste Orthesen die Rekonvaleszenz. Die Indikation und Anpassung sollten stets in Abstimmung mit Tierarzt und Bestandsbetreuer erfolgen.
Mögliche Symptome
Lahmheit der Hintergliedmaße
Sichtbare Schwellung am Sprunggelenk
Wärme und Druckschmerz im Tarsalbereich
Schonhaltung und entlastetes Auffußen
Verminderte Aufsprungbereitschaft beim Zuchtbullen
Steifer Gang nach Ruhephasen
Muskelabbau an der betroffenen Hinterhand
Orthopädische Indikationen
Stabilisierung des Tarsus bei akuter und chronischer Tarsitis
Entlastung nach Sprunggelenksverletzungen oder Operationen
Schutz von Liegeschwielen und Druckstellen am Tarsus
Unterstützung bei Fehlstellungen wie Kuhhessigkeit
Rekonvaleszenz nach septischer Tarsitis
Reduktion von Schwellung und Reizergüssen
Häufige Fragen
Erste Anzeichen sind eine geringgradige Lahmheit, eine sichtbare Verdickung am Sprunggelenk und Wärme im betroffenen Bereich. Auch eine verringerte Aufsprungbereitschaft beim Zuchtbullen oder häufiges Liegen können Hinweise sein. Eine tierärztliche Untersuchung sollte frühzeitig erfolgen, da chronische Verläufe schwerer zu behandeln sind.
Eine Orthese kann je nach Befund unterstützend oder konservativ-therapeutisch eingesetzt werden, ersetzt aber keine medizinische Diagnostik. Bei eitrigen oder strukturellen Schäden ist eine tierärztliche Behandlung unverzichtbar. Maßorthesen von Trittwerk werden ergänzend zur veterinärmedizinischen Therapie eingesetzt.
Harte oder rutschige Böden, mangelnde Einstreu und ungeeignete Liegeflächen erhöhen das Risiko für Druckläsionen und Sprunggelenksentzündungen erheblich. Weiche, trockene Liegeboxen und rutschfeste Laufflächen sind die wichtigste Präventionsmaßnahme: besonders bei schweren Zucht- und Mastbullen.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.