Ausführlich
Die Zwischenklauenschwiele ist eine der häufigsten Klauenerkrankungen beim Rind und tritt vor allem an den Hintergliedmaßen auf. Anatomisch handelt es sich um eine spindel- bis walzenförmige Vorwölbung der Haut im Spalt zwischen Innen- und Außenklaue. Die Wucherung besteht aus verdickter Haut und Unterhautgewebe und kann von wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern Größe reichen. In schweren Fällen ragt sie deutlich aus dem Zwischenklauenspalt heraus und wird beim Auftreten zusätzlich gequetscht.
Ursachen und Entstehung
Die Zwischenklauenschwiele entsteht meist durch chronische mechanische Reizung der Zwischenklauenhaut. Prädisponierende Faktoren sind eine Klauenfehlstellung mit Spreizklauen, wodurch der Zwischenklauenspalt aufgeweitet und die Haut überdehnt wird. Auch chronische Entzündungen wie die Dermatitis interdigitalis oder Panaritium (Zwischenklauenphlegmone) können zur Entstehung beitragen. Genetische Veranlagung, feuchte und unhygienische Stallumgebung sowie harte Laufflächen begünstigen die Erkrankung zusätzlich.
Betroffene Strukturen
Zwischenklauenhaut (Cutis interdigitalis)
Unterhautgewebe im Klauenspalt
Angrenzende Klauenlederhaut bei fortgeschrittenen Fällen
Sekundär: Klauenbein und Klauengelenke bei chronischer Fehlbelastung
Orthopädische Relevanz
Die Zwischenklauenschwiele führt zu einer veränderten Belastung der Klauen und damit zu Fehlbelastungen des gesamten Bewegungsapparates. Kühe mit ausgeprägter Schwiele zeigen häufig eine typische Schonhaltung und Lahmheit, die sich negativ auf Futteraufnahme, Milchleistung und Fruchtbarkeit auswirkt. Eine funktionelle Klauenpflege sowie die Entlastung der betroffenen Klaue: beispielsweise durch Klauenklötze auf der gesunden Nachbarklaue: sind zentrale Maßnahmen. Bei größeren Wucherungen ist eine chirurgische Entfernung durch den Tierarzt notwendig, oft in Kombination mit einem stützenden Klauenverband.
Zur Nachsorge und Entlastung können orthopädische Hilfsmittel wie spezielle Klauenverbände oder Entlastungsschuhe eingesetzt werden, um die Heilung zu unterstützen und Rezidive zu vermeiden.
Mögliche Symptome
Sichtbare Wucherung im Zwischenklauenspalt
Lahmheit unterschiedlichen Grades
Schonhaltung der betroffenen Gliedmaße
Empfindlichkeit bei Berührung im Klauenspalt
Ungleichmäßiger Gang
Spreizen der Klauen beim Stehen
Verminderte Futteraufnahme und Milchleistung bei chronischen Fällen
Orthopädische Indikationen
Entlastung nach chirurgischer Entfernung der Schwiele
Stützende Klauenverbände zur Wundheilung
Klauenklötze zur Entlastung der betroffenen Klaue
Orthopädische Hilfsmittel bei Klauenfehlstellungen mit Spreizklauen
Nachsorge bei chronischer Dermatitis interdigitalis
Häufige Fragen
Typisch ist eine sichtbare, hautbedeckte Wucherung zwischen den beiden Klauen, meist an den Hintergliedmaßen. Häufig zeigt die Kuh eine Lahmheit oder eine auffällige Schonhaltung. Eine genaue Diagnose sollte der Tierarzt oder ein erfahrener Klauenpfleger stellen.
Kleine Schwielen können lange unbemerkt bleiben und wenig Beschwerden verursachen. Größere Wucherungen werden beim Auftreten gequetscht und können erheblich schmerzhaft sein, was sich in Lahmheit, verminderter Futteraufnahme und sinkender Milchleistung äußert.
Die Behandlung richtet sich nach Größe und Beschwerdegrad. Kleine Schwielen werden oft durch funktionelle Klauenpflege und Verbesserung der Haltungsbedingungen kontrolliert. Größere Wucherungen erfordern eine chirurgische Entfernung durch den Tierarzt, gefolgt von einem Klauenverband und ggf. einem Klauenklotz zur Entlastung.
Vorbeugend wirken regelmäßige, fachgerechte Klauenpflege, trockene und saubere Laufflächen sowie eine gute Klauenhygiene. Da auch genetische Faktoren eine Rolle spielen, kann bei gehäuftem Auftreten im Bestand eine Anpassung der Zuchtauswahl sinnvoll sein.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.