Ausführlich
Die Equine Polysaccharid-Speichermyopathie ist eine der häufigsten Muskelstoffwechselerkrankungen bei Pferden und betrifft vor allem bestimmte Rassen wie Quarter Horses, Paint Horses, Appaloosas, Warmblüter und Kaltblüter. Bei PSSM Typ 1 liegt eine Mutation im GYS1-Gen vor, die zu einer Überaktivität des Enzyms Glykogen-Synthase führt. Dadurch wird vermehrt Glykogen in den Muskelzellen gespeichert, was deren normale Funktion beeinträchtigt. Bei PSSM Typ 2 sind die genetischen Grundlagen noch nicht vollständig geklärt, die klinischen Symptome ähneln jedoch denen von Typ 1.
Betroffene Pferde zeigen typischerweise Symptome nach Belastung oder bereits in Ruhe. Die Muskulatur, besonders der Hinterhand und des Rückens, verhärtet sich schmerzhaft, was zu einem steifen, klammen Gang führt. Viele Pferde zeigen Widersetzlichkeit beim Satteln, Unwilligkeit vorwärts zu gehen, übermäßiges Schwitzen und Muskelzittern. In schweren Fällen kann es zu Muskelabbau, dunklem Urin durch Myoglobinausscheidung und Festliegen kommen. Die Symptome treten oft episodisch auf und können durch Stress, ungewohnte Belastung oder kohlenhydratreiche Fütterung ausgelöst werden.
Die Diagnose erfolgt durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung, Blutuntersuchungen (erhöhte Muskelenzyme CK und AST), Muskelbiopsie und bei PSSM Typ 1 durch einen Gentest. Die Muskelbiopsie zeigt charakteristische Einlagerungen von abnormen Polysacchariden, die mit speziellen Färbungen sichtbar gemacht werden können.
Behandlung und Management
Die Therapie von EPSM basiert auf drei Säulen: Futterumstellung, kontrollierte Bewegung und bei Bedarf medikamentöse Unterstützung. Die Fütterung muss kohlenhydratarm gestaltet werden, mit Reduktion von Getreide und Melasse. Stattdessen erfolgt die Energieversorgung über hochwertige Fette und qualitativ gutes Heu. Regelmäßige, moderate Bewegung ist essentiell, um den Muskelstoffwechsel zu verbessern. Lange Stehzeiten sollten vermieden werden. In akuten Phasen können entzündungshemmende Medikamente und Muskelrelaxantien vom Tierarzt eingesetzt werden.
Orthopädische Relevanz
EPSM hat erhebliche Auswirkungen auf den Bewegungsapparat. Die chronische Muskelverspannung führt zu Fehlbelastungen der Gliedmaßen und kann sekundär Sehnen-, Bänder- und Gelenkprobleme verursachen. Betroffene Pferde entwickeln häufig kompensatorische Ganganomalien, die eine orthopädische Betreuung erforderlich machen. Physiotherapie, regelmäßige Hufpflege und bei Bedarf orthopädische Hilfsmittel wie unterstützende Bandagen können helfen, Folgeschäden am Bewegungsapparat zu minimieren. Eine frühzeitige Diagnose und konsequentes Management ermöglichen vielen betroffenen Pferden ein weitgehend normales Leben mit angepasster Nutzung.
Die Prognose ist bei konsequenter Behandlung und Managementanpassung gut. Viele Pferde können bei angepasster Haltung und Fütterung wieder normal gearbeitet werden, allerdings muss das Management lebenslang beibehalten werden.
Mögliche Symptome
Steifer, klammer Gang
Muskelverhärtungen besonders der Hinterhand
Widersetzlichkeit beim Satteln
Unwilligkeit vorwärts zu gehen
Übermäßiges Schwitzen
Muskelzittern
Episodische Schmerzen nach Belastung
Muskelabbau
Dunkler Urin (Myoglobinurie)
Rückenschmerzen
Leistungsminderung
Verhaltensänderungen
Orthopädische Indikationen
Unterstützende Bandagen bei Muskelverspannungen
Stabilisierende Bandagen zur Reduktion von Fehlbelastungen
Therapeutische Bandagen zur Förderung der Durchblutung
Unterstützung bei sekundären Sehnen- und Gelenkproblemen
Häufige Fragen
Kann EPSM geheilt werden?
EPSM ist eine genetisch bedingte Erkrankung und kann nicht geheilt werden. Mit konsequenter Futterumstellung auf kohlenhydratarme, fettreiche Ernährung und regelmäßiger moderater Bewegung lassen sich die Symptome jedoch sehr gut kontrollieren. Viele betroffene Pferde können bei angepasstem Management ein weitgehend normales Leben führen und auch geritten werden.
Welche Rassen sind besonders von EPSM betroffen?
PSSM Typ 1 tritt gehäuft bei Quarter Horses, Paint Horses, Appaloosas und anderen Western-Rassen auf, aber auch bei Kaltblütern wie Belgischen Kaltblütern und Percherons. PSSM Typ 2 wird häufiger bei Warmblütern diagnostiziert. Grundsätzlich kann die Erkrankung aber bei jeder Pferderasse auftreten. Ein Gentest kann bei Typ 1 Klarheit über die genetische Veranlagung schaffen.
Wie unterscheidet sich EPSM von Kreuzverschlag?
EPSM ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, während der klassische Kreuzverschlag (Belastungsmyopathie) eine akute Muskelerkrankung darstellt. EPSM-Pferde können allerdings kreuzverschlag-ähnliche Episoden erleiden. Die Symptome ähneln sich, aber bei EPSM liegen strukturelle Veränderungen in der Muskulatur vor. Eine eindeutige Diagnose erfolgt durch Muskelbiopsie und Gentest, weshalb bei wiederkehrenden Muskelproblemen unbedingt ein Tierarzt konsultiert werden sollte.
Können Pferde mit EPSM noch geritten werden?
Ja, die meisten Pferde mit gut eingestelltem EPSM können weiterhin geritten und gearbeitet werden. Wichtig ist regelmäßige, moderate Bewegung ohne lange Stehphasen. Das Training sollte angepasst erfolgen mit ausreichendem Aufwärmen und Vermeidung von plötzlichen intensiven Belastungen. Viele betroffene Pferde profitieren sogar von regelmäßiger Arbeit, da Bewegung den Muskelstoffwechsel positiv beeinflusst. Die individuelle Belastbarkeit sollte mit dem behandelnden Tierarzt abgestimmt werden.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.