Ausführlich
Der Hyperparathyreoidismus nutritionalis ist bei Katzen eine ernährungsbedingte Erkrankung des Kalzium-Phosphor-Stoffwechsels. Reines Muskelfleisch, Herz oder Leber enthalten sehr wenig Kalzium, aber viel Phosphor. Wird eine Katze über längere Zeit ausschließlich mit solchen Komponenten ohne Ausgleich (z. B. Knochenmehl, Eierschalen, Kalziumcarbonat) gefüttert, entsteht ein Kalziummangel bei gleichzeitigem Phosphorüberschuss.
Um den Kalziumspiegel im Blut konstant zu halten, schüttet die Nebenschilddrüse vermehrt Parathormon (PTH) aus. Dieses mobilisiert Kalzium aus dem Skelett. Das Knochengewebe wird dadurch zunehmend abgebaut und durch minderwertiges Bindegewebe ersetzt: es entsteht eine sogenannte Osteopenie bzw. fibröse Osteodystrophie.
Besonders gefährdet
Jungkatzen und Kitten in der Wachstumsphase
Katzen mit selbstzusammengestellter Rohfütterung (BARF) ohne fachliche Beratung
Handaufzuchten mit ungeeigneter Milch oder reinem Fleisch
Katzen mit einseitiger Fütterung von Innereien oder Fisch
Orthopädische Relevanz
Die entkalkten Knochen sind biegsam und brechen bereits bei geringer Belastung. Typisch sind Grünholzfrakturen, Wirbelkörpereinbrüche mit neurologischen Ausfällen sowie Fehlstellungen der Gliedmaßen. Auch das Becken kann sich verformen, was bei weiblichen Katzen später zu Geburtsproblemen führen kann.
Nach diätetischer Sanierung durch den Tierarzt können bleibende Achsabweichungen, Gelenkinstabilitäten oder Frakturfolgen zurückbleiben. Hier kommen tierorthopädische Hilfsmittel wie stützende Orthesen, individuell angepasste Bandagen oder Korrekturschienen zum Einsatz, um die betroffene Katze in der Rehabilitationsphase zu stabilisieren und Fehlbelastungen zu vermeiden.
Mögliche Symptome
Bewegungsunlust und steifer Gang
Lahmheit ohne erkennbares Trauma
Schmerzäußerungen bei Berührung
Spontanfrakturen bei geringer Belastung
Fehlstellungen der Gliedmaßen
Wachstumsstörungen bei Kitten
Aufgekrümmter Rücken oder eingesunkenes Becken
Neurologische Ausfälle bei Wirbelfrakturen
Orthopädische Indikationen
Stützende Orthesen bei Instabilitäten nach Frakturheilung
Bandagen zur Entlastung geschwächter Gelenke
Korrekturhilfen bei Achsfehlstellungen der Gliedmaßen
Individuelle Schienen zur Frakturnachsorge
Rumpforthesen bei Wirbelsäulendeformationen
Häufige Fragen
Die Erkrankung entsteht durch eine unausgewogene Fütterung, meist durch reines Muskelfleisch ohne Kalziumzusatz. Der Körper zieht dann Kalzium aus den Knochen, was diese instabil und brüchig macht.
Wird die Erkrankung früh erkannt und die Fütterung durch den Tierarzt korrigiert, kann sich der Knochenstoffwechsel weitgehend erholen. Bereits bestehende Frakturen oder Fehlstellungen bleiben jedoch häufig zurück und erfordern eine orthopädische Nachversorgung.
Nach Frakturen oder bei bleibenden Fehlstellungen können Orthesen, Bandagen oder Korrekturhilfen die betroffene Katze stabilisieren, Schmerzen lindern und eine physiologischere Bewegung ermöglichen. Die Auswahl erfolgt individuell nach tierärztlicher Diagnose.
Eine ausgewogene, katzengerechte Fütterung mit korrektem Kalzium-Phosphor-Verhältnis ist entscheidend. Bei Rohfütterung sollte immer eine ernährungsphysiologische Beratung durch Tierarzt oder Ernährungsberater erfolgen.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.