Ausführlich
Die Hypertrophische Osteodystrophie (HOD) ist eine entzündliche, nicht-infektiöse Erkrankung des wachsenden Skeletts beim Hund. Sie betrifft die Metaphysen: also die Übergangszone zwischen Knochenschaft und Wachstumsfuge: der langen Röhrenknochen, insbesondere an den distalen Enden von Speiche (Radius), Elle (Ulna) und Schienbein (Tibia). Charakteristisch sind schmerzhafte, warme Schwellungen oberhalb des Karpal- und Sprunggelenks.
Betroffene Rassen und Alter
Besonders häufig erkranken junge Hunde großer und riesiger Rassen wie Deutsche Dogge, Weimaraner, Deutscher Schäferhund, Boxer, Dobermann, Labrador Retriever und Bernhardiner. Das typische Erkrankungsalter liegt zwischen 8 und 16 Wochen, kann aber bis zum 8. Lebensmonat auftreten.
Ursachen und Pathogenese
Die genaue Ursache der HOD ist bis heute nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden genetische Prädispositionen, Störungen der Vitamin-C-Versorgung, Überversorgung mit Energie und Kalzium sowie mögliche Zusammenhänge mit Impfungen oder viralen Infektionen (z. B. Staupevirus). Es kommt zu Störungen der enchondralen Ossifikation mit Entzündung, Ödembildung und Mikrofrakturen in der Metaphyse.
Orthopädische Relevanz
Die HOD führt zu erheblichen Schmerzen und Bewegungsunlust. In schweren Fällen können bleibende Wachstumsstörungen, Fehlstellungen oder Achsabweichungen der Gliedmaßen zurückbleiben. In solchen Fällen kann eine orthopädische Versorgung mit stützenden Bandagen oder individuell angepassten Orthesen sinnvoll sein, um die Gliedmaße zu entlasten oder Fehlstellungen zu korrigieren. Die Entscheidung sollte immer in Absprache mit dem behandelnden Tierarzt getroffen werden.
Verlauf
Der Verlauf kann selbstlimitierend sein, in schweren Fällen sind jedoch wiederkehrende Schübe möglich. Eine frühzeitige tierärztliche Diagnose (Röntgen zeigt typische Doppelkonturen in der Metaphyse) und Schmerztherapie sind entscheidend.
Mögliche Symptome
Schmerzhafte, warme Schwellungen an den Metaphysen (v. a. distaler Radius, Ulna, Tibia)
Lahmheit an einer oder mehreren Gliedmaßen
Fieber (oft über 40 °C)
Appetitlosigkeit und Apathie
Bewegungsunlust, steifer Gang
Gewichtsverlust
Berührungsempfindlichkeit oberhalb der Karpal- und Sprunggelenke
Orthopädische Indikationen
Stützende Bandagen zur Entlastung schmerzhafter Gliedmaßen während akuter Schübe
Individuell angepasste Orthesen bei bleibenden Achsabweichungen nach abgeheilter HOD
Korrekturhilfen bei Fehlstellungen infolge asymmetrischen Wachstums
Schutzbandagen bei instabilen oder schmerzempfindlichen Metaphysen
Orthopädische Versorgung zur Unterstützung der Rehabilitation nach schweren Verläufen
Häufige Fragen
In vielen Fällen ist die HOD selbstlimitierend und heilt nach einigen Wochen aus. Schwere oder wiederkehrende Verläufe können jedoch bleibende Schäden wie Wachstumsstörungen hinterlassen. Eine frühzeitige tierärztliche Behandlung mit Schmerztherapie ist wichtig.
Vor allem junge Hunde großer und riesiger Rassen wie Deutsche Dogge, Weimaraner, Deutscher Schäferhund, Boxer, Dobermann und Bernhardiner sind betroffen. Die Erkrankung tritt meist zwischen dem 2. und 8. Lebensmonat auf.
Bandagen oder Orthesen können in der akuten Phase zur Entlastung und nach abgeheilter Erkrankung bei bleibenden Fehlstellungen unterstützend eingesetzt werden. Die Indikation sollte immer gemeinsam mit dem Tierarzt und einem erfahrenen Orthopädietechniker gestellt werden.
Eine überhöhte Energie- und Kalziumzufuhr im Welpenalter steht im Verdacht, das Risiko für Wachstumsstörungen wie HOD zu erhöhen. Bei großwüchsigen Rassen ist eine bedarfsgerechte, ausgewogene Welpenfütterung besonders wichtig.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit deinem Tierarzt.