Ausführlich
Bei der tibialen Torsion handelt es sich um eine knöcherne Verdrehung der Tibia, die beim Lama vor allem an der Hintergliedmaße auffällt. Anatomisch betrachtet liegt die Achse von Kniegelenk und Sprunggelenk im Idealfall in einer geraden Linie. Bei einer Torsion ist diese Linie unterbrochen: Das Sprunggelenk und die Zehen weichen nach innen (Innentorsion) oder außen (Außentorsion) von der Kniescheibenachse ab.
Anatomischer Hintergrund beim Lama
Lamas besitzen lange, schlanke Gliedmaßen mit einem stark ausgeprägten Sprunggelenk und einem zweizehigen Fußaufbau mit weichen Sohlenballen. Die Tibia ist im Verhältnis zum Femur relativ lang, was bei Wachstumsstörungen Torsionen begünstigt. Da Lamas Lauftiere sind, die in ihrer Heimat (südamerikanische Anden) auf festem, unebenem Untergrund leben, wirken sich Achsfehlstellungen schnell auf Sprunggelenk, Karpus und Klauen aus.
Ursachen
Angeborene Fehlanlagen (kongenitale Torsion), häufig durch Fehllagen im Mutterleib
Asymmetrisches Wachstum der Wachstumsfugen, z. B. bei Mineralstoffmangel oder unausgewogener Fütterung von Crias (Jungtieren)
Frakturen oder Verletzungen, die in Fehlstellung verheilen
Begleitend zu anderen Achsfehlstellungen wie Valgus- oder Varusdeformation
Orthopädische Relevanz
Eine unbehandelte tibiale Torsion führt zu einer dauerhaften Fehlbelastung der Gelenke, insbesondere des Tarsalgelenks. Daraus können sekundär Arthrosen, einseitiger Klauenabrieb, Bänderüberdehnungen und Lahmheiten entstehen. Bei Jungtieren besteht in einem definierten Zeitfenster die Möglichkeit, durch konservative Maßnahmen wie Korrekturschienen oder Orthesen die Wachstumsrichtung positiv zu beeinflussen.
Diagnostik und Versorgung
Die Diagnose erfolgt durch klinische Untersuchung und Röntgenbilder in mehreren Ebenen durch den Tierarzt. Bei jungen Lamas können maßgefertigte Orthesen die Achse stabilisieren und das Wachstum lenken. Bei ausgewachsenen Tieren stehen entlastende Bandagen oder Stützorthesen im Vordergrund, um Folgeschäden zu minimieren. Eine chirurgische Korrektur ist möglich, sollte aber individuell mit dem Tierarzt abgewogen werden.
Mögliche Symptome
Auswärts- oder Einwärtsdrehung der Zehen im Stand
Asymmetrischer Klauenabrieb
Unsicherer, watschelnder Gang
Lahmheit oder Schonhaltung der betroffenen Hintergliedmaße
Vermehrtes Stolpern auf unebenem Boden
Sichtbare Achsabweichung zwischen Knie und Sprunggelenk
Orthopädische Indikationen
Stabilisierende Orthese zur Wachstumslenkung bei jungen Crias
Korrekturschiene bei kongenitaler Tibiatorsion
Entlastungsbandage des Tarsalgelenks bei sekundärer Arthrose
Postoperative Schienenversorgung nach Korrekturosteotomie
Stützorthese bei ausgewachsenen Lamas zur Vermeidung von Folgeschäden
Häufige Fragen
In den ersten Lebensmonaten ist das Knochenwachstum sehr aktiv. In diesem Zeitfenster lassen sich leichte bis mittelgradige Torsionen häufig durch maßgefertigte Orthesen positiv beeinflussen. Eine frühzeitige tierärztliche Abklärung ist entscheidend.
Achten Sie auf eine sichtbare Drehung der Zehen nach innen oder außen, ungleichmäßigen Klauenabrieb und einen veränderten Gang. Lassen Sie Auffälligkeiten immer tierärztlich abklären, um Ursache und Ausmaß zu bestimmen.
Langfristig drohen Arthrosen vor allem im Sprung- und Kniegelenk, chronische Lahmheiten sowie Klauen- und Sehnenprobleme. Eine frühzeitige orthopädische Versorgung kann diese Folgeschäden deutlich reduzieren.
Ja, moderne maßgefertigte Orthesen werden an die Anatomie und Bewegungsmuster des Lamas angepasst. Wichtig sind eine gute Polsterung, regelmäßige Kontrolle der Passform und eine schrittweise Eingewöhnung.
Diese Erklärung ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Ob eine Versorgung aus der Werkstatt in Frage kommt, klären wir gemeinsam mit eurem Tierarzt.